21. Der BrautkranzSpanisch

By Johann Gottfried Herder

Written 1773-01-01 - 1773-01-01

Voll von Ruhm und Siegeszeichen,

Mehr als Mars es je gewesen,

War der edle tapfre Gazul

Nun aus Gelves heimgekehret.

Wohl empfing ihn in Sankt Lucar

Lindaraja, seine Dame,

Die ihn o wie zärtlich liebet,

Und nicht minder liebt er sie.

Beide nun allein zusammen

In des Blumengartens Blüthe,

Wechseln sie der Liebe Pfänder,

Jedes fühlet, wen es liebt.

Lindaraja hat aus zarter

Neigung einen Kranz geflochten,

Schön von Nelken und von Rosen,

Un(d) von auserwählten Würzen.

Hat ihn rings umsteckt mit Veilchen,

Die die Blümlein sind der Liebe,

Und so sezt sie ihrem Gazul

Auf das Haupt den Kranz und rühmet:

„Nimmer war doch Ganymedes

Schön wie du von Angesichte,

Wenn dich Jupiter jezt sähe,

Führet' er dich mit sich fort.“

Gazul freudig sie umarmend

Spricht mit Lachen: „meine Liebe,

Schön wie du war wahrlich jene

Griechin nicht, die Paris raubte,

Um die Troja ging verlohren,

Um die Alles stand in Flammen:

Schön, wie du, war jene nimmer,

Du die Siegerin des Amors.“

„Wenn ich denn so schön dir scheine,

Gazul, laß uns uns vermählen!

Hast mir ja dein Wort gegeben,

Mein Gemahl zu werden, Gazul.“

Wohl, o wohl, spricht Gazul, laß uns!

Denn dabei bin ich Gewinner.

Und so feiren sie mit Freude

Hochzeitfest und werden Christen.