21.Auf den Anfang des 1660zigsten Jahres

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Wir zehlen was nicht ist und längst in nichts verschwunden

Verwichner Zeiten Lauff und Menge vieler Jahr

Und was den Augenblick noch kaum verhanden war.

Wir zehlen was sich noch nicht von der Zeit gefunden.

Umsonst! wir Armen Ach! Jahr Monat Tag und Stunden

Sind kein beständig Gut doch bringen sie Gefahr

Und höchsten Nutz zu uns. Sie bieten alles dar

Wordurch die Ewigkeit uns Menschen wird verbunden.

Gott dem nichts fällt noch kommt dem alles steht und blüht

Der was noch künfftig ist als gegenwärtig sieht

Wil auch vor Augenblick uns Ewigkeiten geben.

Ach Seel! Ach! sey mit Ernst denn auf die Zeit bedacht

Nimm Jahr und Monat Stund und Augenblick in acht.

Ein einig Augenblick verspricht Todt oder Leben.