2.

By Karoline von Günderode

Written 1793-01-01 - 1793-01-01

Den Liljenleib des Purpurs dunkler Schleier

Dem irren Blick der Göttin halb entzieht;

Der Trauer Bild, die Anemone, blüht

So weiß als roth zur stillen Todtenfeyer.

Erloschen ist in Ihm des Lebens Feuer,

Sein todtes Aug' die Blume nimmer sieht. –

Doch plötzlich schmilzt der Göttin Leid im Lied,

Die Klage tönt, die Seele fühlt sich freier.

Ein Kranker, der des Liedes Sinn empfunden,

Durch Ihrer Töne Zauber soll gefunden. –

Der Andacht gerne Liebe sich vertraut.

Und glaubig einen Tempel er sich baut,

Auf daß er pflege in dem Heiligthume

Der Sehnsucht Kind die süße Wunderblume.