22.Annæ Mariae Gryphiae

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Dv bist den du bist hin! Der Himmel gönte dich

Der Erden weiter nicht die Tugend kaum mehr kennet

Darin man Laster preist vnd Sünde from seyn nennet

Die auß gejagte zucht nam deine Seel zu sich.

Du gibst den gutte Nacht so vnversehns weil ich

In fernem Elend bin dein Eh-stand wird getrennet

Eh' recht dein Hochzeit licht (holdseelige!) verbrennet

Weil mich dein Hymen läst tritt gleich dein todt für mich

Was kan abwesend Ich mehr alß dich selbst beweynen

Vnd deine zarte Frucht die als sie wolt erscheinen

Die schwachen Augen schloß vnd deine Seel entband.

Man wündscht einmal zu sehn die Frömigkeit gebähren:

Alß welche nichts der welt denn Tugend kan gewehren.

Doch ach! den wundsch durchstrich der Parcen strenge Hand.