23. An Marco Saracini

By August von Platen

Written 1829-01-01 - 1829-01-01

Sympathie zwar einiget uns und läßt uns

Hand in Hand gehn; aber es zweit der Pfad sich;

Denn zu sehr durch eigene Lose schied uns

Beide das Schicksal.

Dir verlieh's jedweden Besitz des Reichtums:

Stets für dich streun Säer die Saat, den Wein dir

Keltern rings, auspressen die Frucht des Ölbaums

Sorgliche Pächter.

Manches Landhaus bietet im Lenz Genuß dir,

Dir im Herbst Jagdübungen manches Bergschloß,

Wo sich schroff absenken des Apennins Höhn

Gegen das Meer zu.

Stolz im Schmuck hochzinnigen Daches nimmt dich

Dein Palast auf, während des heißen Sommers:

Alter Kunst Denkmale verschließen hundert

Luftige Säle.

Nichts besitzt dein Freund, o geliebter Jüngling!

Ja, er wünscht auch keinen Besitz, als den er

Leicht mit sich trägt. Irdische Habe wäre

Drückende Last mir!

Selten ruht mein pilgernder Stab, ich setz ihn

Sanft nur auf, nicht Wurzel und Zweige schlägt er;

Auf das Grab einst lege mir ihn der Fremdling,

Freunden ein Erbteil!