23. Jupiter und Juno

By Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Written 1761-01-01 - 1761-01-01

Die Götter Griechenlands sahn einst von ihrem Himmel,

Auf ihre Menschenwelt, mit einem Blick herab;

Auf einmal alle sahn des Lebenden Getümmel,

Des Todten stilles Grab.

Lebt! sagte Vater Zeus, und alle Todten lebten;

Und alle Götter sahn sie leben; freuten sich

Des Worts der Allmacht sehr, und lächelten, und schwebten

Auf ihren Wolken sichtbarlich.

Frau Juno ganz allein fand wenig Wohlgefallen

An ihres Herrn Gemahls fast großer Vaterthat,

Sie runzelte die Stirn, sie zürnte stolz, sie bat,

(Mit Bitten herrscht das Weib im Himmel und Sanct-Gallen!)

Die Aufgelebten alle gleich

Zurück zu senden doch ins stille Schattenreich!

Bescheiden bat sie das, und schlug die Augen nieder

Und hielt zum Vater Zeus ein hörbegierig Ohr.

Sterbt! sagte Vater Zeus, und alle starben wieder,

Und auf der Erde war's so leer, als wie zuvor.

Mit Bitten herrscht das Weib im Himmel und Sanct-Gallen!

Im Himmel stiftet es, mit Bitten, Zank und Streit,

Und in Sanct-Gallen Einigkeit!

Gottlob! das ist ja schön! Wir leben in Sanct-Gallen!

Und unsre Weiber lassen sich,

Was uns gefällt, gefallen,

Die kleinen und die großen Schnallen,

Die Perlen, die Korallen,

Den Hut – und den Gedankenstrich!