24. Uber Die Göttliche Gnadenbeglückung / die alles Leid in Freud verkehret
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Du Himmlisches Sion! wann werd ich dich sehen?
wann werd' ich zu deinen Pracht-Thoren eingehen?
ach Jesu mein Bräutigam ruffe mir schier:
ich warte mit sehnender Herzlicher Gier.
Ich hab mir erlesen
das Himmlische Wesen
auf dieses mein Geist
sich einig befleist.
Du schöneste Schönheit der Tugenden Tugend!
ich opffer dir meine frisch-blühende Jugend.
Dein Gnaden-Besafftung sie süssest bethau
daß Wunder-Frücht frölichst in solcher man schau.
Muß ich schon vermeiden
die Irdischen Freuden:
Rauch Schatten und Wind
dieselben nur sind.
Herz-herrschende lieblich doch heimliche Wonne
hell-strahlend doch Augen-unsichtbare Sonne
du starke Bewegung doch leiseste Stärk
in mir selbst geschehnes doch wunderlichs Werk
mit Freuden empfunden
erstaunend gebunden!
ich weiß und weiß nit
was wie mir geschicht!
Auf heisseste Herzens-Angst kühle Erquickung!
auf rollen des Donnern der Sonne Anblickung!
in mitten des Schiffbruchs den Hafen ersehn!
das heisset aus Stixen zu Tithons Thron gehn!
das Hönig aus Gallen
aus Düsterkeit Strahlen
aus Steinen wird Safft
erwecket mit Krafft.
Ein Wunder-Wind wendet und lendet die Pfeile
vom Aehrenen Ziele zur Flammen-Geist-Seule.
Die Menschen besinnen bedrängen und plagen:
doch gehet es endlich nach Gottes behagen.
Sie brennen und pressen
vor drohen schier fressen:
doch gwinnet das Feld
der Himmlische Held.
Ihr Leschungs-Wind muß mir mein Feuer aufblasen.
Ihr Würckung verschlinget ihr eigenes Rasen.
Der Widerstand selber befördert zum Ziel.
So leise so weise ist Gottes Rath-Spiel.
Laß rollen laß prallen
laß knallen und fallen!
der Wolken Glaß bricht
der Sonne Gold nicht.
Trotz Vngelück rühr mich! ich sitze beschirmel.
Die Göttliche Gnaden-Hand selber dich stürmet.
Du woltst mich verbrennen: der Himmel sagt nein?
du solt ein belebendes Phönix-Feur seyn.
Gott kan es verdrehen
und machen aufgehen
die Sonne vom Nord
es ist um ein Wort.