25. Chor der Hirten

By Paul Fleming

Written 1624-01-01 - 1624-01-01

Wo anders etwas kan ein guter Wundsch vermügen,

und so der Himmel sich mit Wollen läßt vergnügen,

so wündsch' ich, daß der Man, dem dieser Tag gefreit,

ihn zehnmal tausentmal erleb' in Fröhlichkeit.

Recht, recht so, daß wir diesen binden,

bei dem wir nichts als Treue finden.

So ein gesunder Wundsch von Kranken kommen kan,

so sei der meine hier zu euren auch getan.

Wahrlich, der hat wol getan,

der uns diesen lieben Tag,

dessen man sich freuen mag,

hat zuvor gemeldet an.

Ist er itzund schon von hinnen,

mein und euer großer Freund,

o ihr edlen Castalinnen,

tut darum nicht, wie ihr meint,

daß der schönste seiner Tage

unbeschenkt sich von uns trage!

Nicht so, Meine. Stimmt die Saiten

und mischt euren Ton darein!

Laßt uns heut' um Freude streiten!

Diß soll unser Reichtum sein,

daß wir ihm zu Dienst' und Ehren

ein kurz Liedlein lassen hören.

Hier rinnt unsre Hippocrene,

Pindus und sein Volk ist hier,

das ein lautes Lobgetöne

schreiet aus zu unsrer Zier,

und die bloßen Charitinnen

tanzen alle, was sie können.

Euch, o Edler, euch zur Freude

sieht Apollo güldner aus,

Luna hängt all ihr Geschmeide

an ihr vollgestirntes Haus,

daß der schöne Tag dem Zeichen

der noch schönern Nacht muß weichen.

Der beschneite Hornung stehet

und streicht seinen Eisbart auf,

Äolus, der Alte, gehet,

hemmet seiner Knechte Lauf,

und läßt keinen von so vielen

als die linden Westen spielen.

Das Verhängnüß drückt sein Siegel

in das blaue Himmels-Feld;

Fama schwingt die Augen-Flügel

und ruft durch die Sternen-Welt,

daß hinfort auf unsrer Erden

güldne Zeit durch euch soll werden.

So viel Stäublein in der Sonnen,

so viel Tropfen in den Brunnen,

so viel Wild im Walde geht,

so manch Stern in Lüften steht,

so viel Gutes woll' euch geben

durch das liebe, lange Leben,

der zu seinen Diensten ruft

Sonne, Brunnen, Wald und Luft!

Seht ihr, wie die große Welt

sich nach Art der kleinen hält?

Weil der Teure heute lachet

und sich herzlich frölich machet,

so will auch der güldne Schein

unsrer Sonnen güldner sein.

Mein Wundsch läßt sich nicht beschreiben,

den ich ihm, o Werter, tu'.

Gott, der gebe Rat darzu,

daß er mag gesund verbleiben,

bis er spreche selbst zu sich:

Leben, was beschwerst du mich?

Nehmt meinen Wundsch auch mit!

Gott gebe, was ich bitt'!

Gibt dieser, was ich bitten soll,

so gehts euch itzt und ewig wol.

Lustig will ich heute leben,

wie mein Name mir gebeut.

Heute, heute da ists Zeit,

daß wir Freud' um Freude geben.

Wer sich will darwider sperren,

der such' ihm ein ander Haus!

Drauf bring' ich den Becher aus

in Gesundheit unsers Herren.