25. Erhörungs Verlangen

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Solt dem Brunnen des Gesichtes

der Erzklarheit alles Liechtes

meine Noht verborgen seyn?

solten Seuffzer Herzen sporen

bey dem Urohr seyn verlohren?

ach der Glaube saget nein!

Solt das all-erfüllend Wesen

nicht in meinem Herzen lesen

dessen innerste Begier?

solt es weil es ihm zu Ehren

nicht so seltnen Wunsch gewähren?

Glaube hält es nicht dafür.

Solt der zartest' Augen-Schmerzen

nicht dem Höchsten gehn zu Herzen

als die gröst' Unleidbarkeit?

solt' er wann man an-will-tasten

seinen Augen-Stern noch rasten

und verziehen lange Zeit?

Siht er doch in meinem Flehen

seines Geistes Strahlen stehen

und mit Christ-Rubinen Blut

alle meine Wort versetzet!

ist sein Herz dann nicht durchätzet

von der Purpur-Flammen Flut?

Er wird ja die Thränen zählen

und Ergetzung auserwählen

auf so heissen Himmel-Zwang!

seine Hand wird sie abwischen

und mit Himmel-Lust erfrischen:

fliessen sie gleich noch so lang.

Die beweglichst Erzbewegung

lässet zu die Creutz-Erregung:

daß sie den Hülff-Stachel spitzt

daß die Feuer-Liebes strahlen

können durch gedonnert fallen

und die Gnaden-Hülff herblitzt.

O du Himmlisch-leises Lenden

unbegreifflichs Segen-Senden!

ich vertrau mich deinem Raht.

Kan ich schon dein Ziel nicht sehen:

will ich in Gehorsam gehen

und es finden in der That.

Laß mir nur ein wenig leuchten

deine Weißheit mich befeuchten

mit dem Edlen Glaubens-Safft

mein verschmachtes Seelen-Leben!

so will ich mich ganz dir geben

gibstu nur ein Tröpfflein Krafft.