26.Andencken eines auf der See ausgestandenen gefährlichen Sturms

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

O Gott! was rauhe Noth wie schaumt die schwartze See

Und sprützt ihr grünes Saltz wie reist der Zorn die Wellen

Durch Nebel volle Lufft wie heult das wüste Bellen

Der tollen Stürm uns an. Die Klippe kracht von Weh

Wir fliegen durch die Nacht und stürtzen von der Höh

In den getrennten Grund die offten Stösse fällen

Den halb-zuknickten Mast die schwache Seiten prellen

Auf die gespitzte Klipp O Himmel ich vergeh!

Der dicke Querbaum bricht und schlägt den Umgang ein.

Das Seegel flattert fort der Schiffer steht allein

Und kan noch Boß-Mann mehr noch Seil noch Ruder zwingen

Wir missen Glaß Compaß und Tag und Stern und Nacht

Todt war ich vor dem Todt. Doch Herr du hasts gemacht

Daß ich dir lebend und errettet Lob kan singen.