26.Auff Hohelied/ II. v. 11.Siehe, der winter ist vergangen, der platz-regen ist...

By Gottfried Arnold

Written 1690-01-01 - 1690-01-01

Strenger Winter, fleuch von hinnen,

Harte kält,

Die mich hält,

Bindend meine sinnen,

Hindernd mich in heißer liebe,

Lasset mich

Inniglich

Folgen Jesus triebe.

Trübe wolcken, fluth und regen

Thränen-saat

Die mir hat

Lange obgelegen

Weicht, die ernden-zeit ist kommen,

Weil mein schatz

Nunmehr platz

Hat in mir genommen.

Seine lieb und weißheit kannte,

Daß ich noch

Sanffte joch

Und der liebe bande

Ungeübet war zutragen:

Drum must ich

Erstlich mich

Fremder dienst entschlagen.

Da must ich mühselig werden,

Und die last

Ohne Rast

Gab mir viel beschwerden:

Desto mehr nach ihm zustöhnen,

Biß daß er

Sich wandt her

An ihn zu gewehnen.

Nun er sich in mir läßt blicken,

Wird zugleich

Mir sein reich

Lauter frühling schicken:

Denn die turteltaub im grunde

Meldet sich,

Und lockt mich

Mit verliebtem munde.

Schau, die feigen-bäume grünen,

Brechen vor,

Sehn empor

Ihrem printz zu dienen:

Und die blumen in dem lentzen

Geben dir,

Meine zier,

Ihre Pracht zu kräntzen.

So ist alles leid vergessen

Als war nie

Winter hie

Oder frost gewesen.

Weil mir meine sonn jetzt scheinet,

Hats ihr sinn

Immer hin

Mit mir gut gemeinet.

Sonne, die zu meiner erden.

Sich gericht,

Laß mirs nicht

Wieder winter werden:

Werde stets in mir erhöhet

Biß die zeit

Deiner freud

Niemals untergehet!