26.Cantate, die in der allerhöchsten Gegenwart Sr. königl. Majestät Georg des An...

By Albrecht von Haller

Written 1748-01-01 - 1748-01-01

Besingt, ihr Musen, unsre Triebe,

Bringt unsre Freude vor den Thron!

Mischt mit der Stimme wahrer Liebe

Der tiefsten Rührung dankbarn Ton!

George kömmt, der Held, der Sieger!

Er lenkt den Muth erhitzter Krieger

Und schenkt der müden Welt die Ruh.

Wir aber fühlen Englands Glücke,

Er kehrt die Segen-reiche Blicke

Auch uns, auch unser Vater, zu.

Nach lang getragnem Stolz rächt er der Britten Ehre,

Sein Zorn dringt wie der Blitz durch beide Welten hin;

Den letzten West, der Morgenröthe Wiege,

Erfüllt der Schrecken seiner Siege;

Der Feind erkennt bestürzt den wahren Herrn der Meere,

In allen Seen bleibt kein Raum für ihn.

Hier bricht Georg die schnöden Ketten,

Die Deutschlands edlen Hals ohn ihn umschlungen hätten,

Er zahlt der Freiheit Preis mit seinem Blut;

Dort stürzt sein Arm des blinden Eifers Brut,

Die, plötzlich groß durch Raub und morden,

Aus nichts zum Riesen worden;

Sie liegt, mit einem Schlag erdrückt,

Und Gnade schont, was sich in Demuth bückt.

Wann aus zerschmetternden Gewittern

Der Strahl ein schuldig Land bestraft,

Wann die entsetzten Berge zittern,

Erkennt die Welt der Gottheit Kraft;

Wann aber die versöhnte Sonne

Aus fliehnden Wolken gütig blickt,

Erschallt mit einer dankbarn Wonne

Das Lob der Huld, die uns erquickt.

Der falschen Größe gram, die auf der Bürger Grab

Des Herrschers theure Säulen thürmet,

Und keinem Ruhme hold, den siegend Unrecht gab,

Zog er den Degen spät, der Recht und Freiheit schirmet;

Es ist vollbracht, er legt ihn siegreich ab.

Von Gott weit über eignen Wunsch erhoben,

Bleibt ihm der eine Wunsch, das allgemeine Glück;

Und allem eiteln feind, lässt er das Herz ihn loben

Und hält den lauten Preis des treuen Volks zurück.

Ja, rührender als selbst der Musen Saiten

Tönt der verborgne Dank, der aus dem Herzen quillt,

Ihn preist am würdigsten der Glückstand seiner Zeiten,

An Huld und Macht der Gottheit Bild.

Gerechtigkeit und Fried umgränzet sein Gebiete,

Glückselig Volk, dem Gott zum Herrscher ihn verlieh!

Es fühlt den weisen Schutz und die bemühte Güte

Und fühlt die Last des Zepters nie.

Herr! unser Leben hängt am deinen,

Für uns ists, wenn wir für dich flehn!

O laß noch lang dein Beispiel scheinen,

Nach dem gerechte Herrscher sehn.

Du dämpfst allein der Zwietracht Feuer,

Du hebst, wen stärker Unrecht fällt;

O halt noch lang Europens Steuer,

Dein Wohlstand ist das Wohl der Welt!