28. Die Schöne ohn Geist und Bewegung.
Du fremdem Sinne nach zu unbesinntes Kind
Kind aber dessen Glantz der Sonne beyzusetzen
Weil man nicht lauter Geist und Feuer bey dir findt
Soll deine Schönheit drum geringer seyn zu schätzen?
Wenn mich der Wangen Glutt der Haare Gold macht
blind
Wenn mich die Lilien schneeweisser Schoß ergetzen
Seh ich ein Wunderwerck das meinen Sinn verbindt
Dich schöner Stein zu ehrn als einen Wunder-Götzen.
Der Himmel schnizte selbst diß schöne Menschen-Bild
(ein Bild das aber lebt und sich bewegen kan
Der hat die zarte Brust mit Marmol ausgefüllt.
Es sah dich die Natur von aller ihrer Zier
Bereichert selbst entsezt und mit Erstarren an:
Du schläffst in ihr noch heut und jene schläfft in dir.