28. Die Schöne ohn Geist und Bewegung.

By Hans Aßmann von Abschatz

Du fremdem Sinne nach zu unbesinntes Kind

Kind aber dessen Glantz der Sonne beyzusetzen

Weil man nicht lauter Geist und Feuer bey dir findt

Soll deine Schönheit drum geringer seyn zu schätzen?

Wenn mich der Wangen Glutt der Haare Gold macht

blind

Wenn mich die Lilien schneeweisser Schoß ergetzen

Seh ich ein Wunderwerck das meinen Sinn verbindt

Dich schöner Stein zu ehrn als einen Wunder-Götzen.

Der Himmel schnizte selbst diß schöne Menschen-Bild

(ein Bild das aber lebt und sich bewegen kan

Der hat die zarte Brust mit Marmol ausgefüllt.

Es sah dich die Natur von aller ihrer Zier

Bereichert selbst entsezt und mit Erstarren an:

Du schläffst in ihr noch heut und jene schläfft in dir.