28. Die wider erholete Schwermütigkeit
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Auf auf geängstes Herze!
die trübe Wolk verschwindt gemach.
der Rauch der Irdisch Schmerze
wird auch zertriben nach und nach.
Der Nebel vieler Plagen
bereit sich aufwerts schwingt:
daß er nach wenig Tagen
den Gnaden-Regen bringt.
Laß deinen Unmut fahren:
du bist ein Himmels-Kind.
Der Höchst wird ja bewahren
die gänzlich ihm ergeben sind.
Frisch auf! nimm Adlers-Augen
schau in die Sonn die ewig Freud:
es würd dir dieses taugen
zu dulten hier viel Traurigkeit.
des Himmels Vorschmack machet
ein all-erleidends Herz
das alle Noht verlachet
hält Sterben nur vor Scherz.
Ach wer mit den Gedanken
wie in dem Meer der Fisch
im Himmel wär ohn wanken:
wie wär er Heilig froh und frisch.
Der Herr sey deine Stärke;
der Glaube sey dein Schild und Sieg;
damit des Satans Werke
und aller Laster schwerer Krieg
in dir zerstöret werden
und nichts als Geistes-Ruh
auch auf der eitlen Erden
bey dir sich finden thu.
Es fahren die verlangen
wie Feuer über sich:
auf daß wann alls vergangen
du werdst erhalten ewiglich.
Erhalt' in Friedens-Gränzen
den Geist wann alles wütt und tobt.
Laß Ruh und Frommheit glänzen:
wirds schon von allen nicht gelobt.
Verachtung ganz verachten
dem schmeichlen taube seyn
nach schnödem Geld nicht trachten
vermeiden Hoffart-Schein
sich mit sich selbst vergnügen
in Armut bleiben Reich:
das heist die Welt besiegen
und selten finden seines gleich.