3. Clorinda die rauhe Tugendstraß/ und dornigen Himmels-Weeg betrachtende/ fühle...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Weil diese falsche Welt

Mich so tyrannisch hält

Daß es nicht zu erzehlen

Als will ich mir die Reyß

Nach jenem Erden-Kreyß

Der besser ist erwehlen

Nach dem gelobten Land

Der höchst-beglückten Erden

Die frey von allerhand

Betrübnuß und Beschwerden.

Ach aber so viel Weeg

So viel der bösen Steeg

Schier einer an dem andern

Der eine hier der her

Mir wöllen fallen schwär

Weißloß dahin zu wandern:

Zu dem so find' ich auch

Daß über alle massen

Gefährlich hart und rauch

Die Ubung dieser Strassen.

Der Weg so von Trœcen

Sich zieht biß auff Athen,

Wo Schinis sich enthalten

Der blutige Tyrann

So manchem Wandersmann

Den müden Kopff zerspalten

Ist nicht so kümmerlich

Wie meine Straß zu räisen

Dann jene liesse sich

Die aber nicht umbkräisen.

Der Weg nach Hiericho.

Bey weitem ist nicht so

Voll mörderischer Buben

Allwo getroffen an

Der fromm Samaritan

Den Krancken in der Gruben:

Alldorten wurde zwar

Des Menschen Leib verletzet

Hier aber wird so gar

Den Seelen nachgesetzet.

Nicht ist zu finden bald

Auff gantzer Welt ein Wald

Der mehr Leut hingenommen

Als der im Böhmer-Land

Allwo des Mörders Hand

Man schwärlich möcht entkommen

Wo aber dorten war'

Ein kleine Zahl der Mördern

Ist da ein gantze Schar

Zur Höll mich zu befördern.

Von Wegs-Unsicherheit

Ist ruchtbar und verschreyt

Arabia, vor allen

Dieweil alldorten offt

Die Menschen unverhofft

Gleich wie die Stöck' hinfallen

Indem der gähe Wind

Mit bergigem Sand-Hauffen

Anstürmet so geschwind

Daß niemand kan entlauffen.

Gantz Lybien ist zwar

Ein stähte Todten-Bar'

Von wegen vieler Löwen

Die offt nach sattem Fraß

Die Blut-besprengte Straß

Mit Menschen-Fleisch bestrewen:

Hier aber ist ein Heer

Der Cerberischen Hunden

Welche begierig sehr

Mich tödtlich zu verwunden.

Ein sehr unsichers Land

Ist das am Nilus-Strand

Ursach der Crocodilen

Die dorten am Gestatt

Des Menschen-Fleisches satt

Noch mit den Knochen spihlen

Hier ist das Crocodil

Die Welt so offt betrogen

Der armen Seelen vil

Und nach der Höll gezogen.

Von Schlangen wurd' bethört

Ja endlich gar verstört

Die schöne Stadt Amicle,

Mit welchen Thieren Ich

Euridice nun mich

Gar ungern mich verwickle;

Hier ist die alte Schlang

Den armen Adams-Kindern

Den glücklichen Zugang

Des Himmels zu verhindern.

Auff dem Sicilier-Meer

Ist es gefährlich sehr

Zwar wegen der Sirenen,

So manches Schiff zu grund

Mit Lachen Schertzen und

Mit süssem Singen hönen:

Hier singt die Welt-Siren

Mit Zucker-süsser Kählen

Wodurch zu scheittern gehn

Viel tausend arme Seelen.

Bey Scilla, und Charibd

Es viel zu schaffen gibt

Schad-loß hindurch zu schiffen

Dann weil die Klippen eng

Der Wind hingegen streng

Wird man dort hart ergriffen:

Die Welt das böse Meer

Pflegt an den Glücks-Gebürgen

Und Felsen eitler Ehr

Die Seelen zu erwürgen.

Ich glaub' es sey kein Reich

Auff Erden jemahl gleich

Dem Colchischen gewesen

Allwo an Phasis Rand

Das Gold wie kleines Sand

Wurd' häuffig auffgelesen;

Zudem war' es beglückt

Mit Uberfluß der Früchten

So reich war angespickt

Das Præster-Feld mit nichten.

In dieser Landschafft war'

Ein Fehl von göldnem Haar

Ein Schatz von grossem Wunder

Von dessen Bildnuß hoch

Zu unsern Zeiten noch

Sich rühmen die Burgunder;

Aus welchem allem dann

Ein jeder Mensch kan schliessen

Daß es wie Canaan,

Von Honig müsse fliessen.

Weil aber diese Erd

Mit einer gantzen Herd

Der Abentheur umbgeben

Als sind viel Ritters-Leut

Erhitzt auff diese Beut

Dort kommen umb ihr Leben;

Ein wildes Oxen-Heer

Den Paß zum Land verhütet;

Ein Segel-loses Meer

Auff sein Gestad zuwütet.

Und wann schon allbereit

Durch Stärck und Dapfferkeit

Diß alles überwunden

Hat alsdann endlich vor

Des Mavors Tempels-Thor

Ein Drack sich noch befunden

So diesen reichen Schatz

Mit Feur und Gifft beschützet

Vor wessen Widersatz

Sich viel zu tod geschwitzet.

Dem schönen Reich wohin

Ich Segel-fertig bin

Das Colchische muß weichen

Dem auch die gantze Welt?

Sammt was sie in sich hält

Durchaus nicht zu vergleichen

Dann dieses alles ist

In Schätzung jener Freuden

Nichts als nur Koht und Mist

Nichts als nur Schmertz und Leyden.

Der Weg ach aber ach!

Dahin ist Ungemach

Und überaus beschwärlich

Ja wegen Abentheur

So sich da ungeheur

Erzeigen sehr gefährlich!

Indem das Höll-Geschmeiß

Mir trutzig steht entgegen

In meiner Himmels-Räiß

Den Durchzug zu verlegen.

O schröcklicher Gewalt!

O starcker Hinderhalt

Der böß-gewohnten Sitten

Von welchen ich so sehr

Wie starck ich mich auch wehr'

Werd' immerdar bestritten!

Gewohnheit ist ein Ding

Voraus bey jungen Leuten

So einzupflantzen ring

Und schwärlich auszureuten.

Weil aber diese Straß

Dem wilden Seelen-Fraß

Der Höllen mich zuführet

Als kaufft mein enges Hertz

So theur nicht solchen Schertz

Wodurch man Gott verliehret:

Will lieber durch das Läid

Die Himmels-Räiß anstellen

Als durch so kurtze Freud

Hinfahren nach der Höllen.

Durch Hagel Feur und Plitz

Durch Schwerdter und Geschütz

Will muhtig ich durchbrechen

Und sollt' auch Atropos

Mit ihren Mord-Geschoß

Mein schwaches Hertz durchstechen:

Daphnis mit seiner Gnad

Wird mich sorgfältig läiten

Und auff des Creutzes-Pfad

Nach seinem Reich begläiten.