3. Clorinda erkennet ihre Boßheit/ und wird mit grosser Forcht überfallenFußnote...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Will dann der Jüngste Tag
Noch vor der Zeit einbrechen
Sich Daphnis an mir rächen
Ohn' einigen Vertrag?
Will dann das Sternen-Hauß
Mit aller Macht einfallen
Das Meer mit seinem Wallen
Zornmühtig brechen auß?
Der Himmel ist gantz schwartz
Mit Hagel-Sturm bewittert
Würfft über mich erbittert
Aus Schwebl' Feur und Hartz:
Kocht in ergrimmter Hitz
Stracks meinen Kopff und Rucken
Tyrannisch zu zerstucken
Gantz neue Pfeil und Blitz.
Ich höre schon das Horn
Der höllischen Megæren,
Sie will an mir auslähren
Rachgierig ihren Zorn:
Dort kommt ein gantzes Heer
Der höllischen Geschwadern
Das Blut aus meinen Adern
Tringt mir zu Hertzen sehr!
Schau' wie mit tieffem Schlund
Und auffgesperrtem Rachen
Den Garaus mir zu machen
Dort steht der Höllen-Hund:
Licaon das Unthier
Sammt Löwen Lür und Bären
Mit grossem Wuht begehren
Sattsame Rach von mir.
Wo ich mich nur hinkehr'
Steht mir der Tod vor Augen
Will mir die Seel aussaugen
Da hilfft kein Bitten mehr
Wär' nur ein Feind allein
Dörfft' ich noch Gnad begehren
Weil aber tausend deren
Kan nichts zu hoffen seyn!
Kein solches Elend war'
Alldort zu Noë Zeiten
Wo von so vielen Leuten
Verblieben kaum vier Paar
Dort stritt' allein und bloß
Der bleich-erzörnte Himmel
Hier geht ein gantz Gewimmel
Der Feinden auff mich loß.
Gott selbst ist wider mich
Erzörnt zu Feld gezogen
Die Sähn an seinem Bogen
Zieht er schon hindersich
Den Zorn-geflammten Pfeil
Beginnt er auffzutragen
Mir durch das Hertz zu jagen
Laßt mir zur Flucht nicht Weil.
Und könnt' ich fliehen schon
So wurd mich dannoch spissen
Mein eigen böß Gewissen
Zum wohl-verdienten Lohn
Mein ärgster Feind bin ich
Solt' mich auch niemand straffen
Wolt' ich doch selbst die Waffen
Ergreiffen wider mich!
O ich betrübte Magd!
Kan auch auff gantzer Erden
Ein Mensch gefunden werden
Der also sey geplagt?
Ich möcht' in Läid vergehn
Und doch kan ich zu sterben
Die Gnad auch nicht erwerben
Muß da zum Unglück stehn!
Ach daß mein armer Leib
(Vom Sodoms-Feur bethöret)
Auch wurd in Saltz verkehret
Wie dorten Loths Eheweib!
So wurd ich auch mit ihr
Kein Elend mehr empfinden
Der Sturm der Unglücks-Winden
Auch nicht mehr schaden mir.
Ey laß! daß Perseûs doch
So unvertreulich handlet
Mich nicht in Stein verwandlet
Die ich es wünsch' so hoch!
Könnt' ich Aglauros seyn
So wolt' ich ihr mein Leben
Mit höchster Freud hingeben
Ich aber werden Stein.
Man sagt das Sonnen-Bild
Ein Wunder der Metallen
Zu Rhodis sey gefallen
Und lig' jetzt wüst und wild:
Könnt ich O Bild für dich
In deine Stell zu tretten
Es von dem Glück erbetten
So wär glückselig ich!
Was wünsch ich aber lang!
Wunsch ist ein armer Jäger
Ein unglückhaffter Häger
Hägt stäts doch ohne Fang:
Des Fortunatus Hut
Und Glücks- Horn ist verlohren
Midas mit langen Ohren
Verflucht den Wunsches Wuht.
Niemand auch in die Weit
Ist der mein Klagen höre
Vergebens ich verzehre
Die heil-versaumte Zeit:
Daphnis hat wie Ulyss,
Die Ohren dick verstopffet
Sein Hertz von Myrrhen tropffet
Der Tod ist mir gewiß.
Kein Reh ist so verzagt
Wann es von vielen Hunden
Schon schier gar überwunden
Sich in die Weite wagt
Wann es unfehr zuruck
Die Büren höret knallen
Und siht vor ihme fallen
Bald da bald dort ein Stuck.
Die Tochter Jephte war'
Als man sie wolte schlachten
Glückselig noch zu achten
In ihrer Tods-Gefahr:
Ihr wurde noch vergönnt
Daß sie in Berg- und Heinen
Ihr Jungfrauschafft beweinen
Drauff rühmlich sterben könnt'.
Ich aber läider! kan
Dergleichen nichts erwerben
Muß ohn' Erbärmnuß sterben
Es ist mit mir gethan
Die Unschuld kan auch ich
Zum Auffschub nicht einwenden
Dann sie aus meinen Lenden
Schon längst verlohren sich.
Zu dem ist Jephtias
Für Gottes Ehr gestorben
Hat grosses Lob erworben
Viel Augen wurden naß:
Mich Laster aber ach!
Kein Weiser wird beklagen
Mit Spöttlen wird man sagen
Es brennt das rechte Dach.
Ich mein selbst Abentheur
Ein Spiegel aller Thoren
Hab Daphnis Gnad verlohren
Verdient das Höllen-Feur!
Ach komm' Amelecith'
Von Gelboës Gebürgen
Wie Saul mich zu erwürgen
Ich will gern sterben mit.
Die Waffen förcht ich nicht
Eh' lieber als so leben
Wolt ich den Geist auffgeben
Wär' es darmit geschlicht:
Die grosse Sünden-Zahl
Und Daphnis Unmuht machen
Daß mir die Seel zu krachen
Beginnt vor grosser Qual.