3. Clorinda wegen Abwesenheit ihres Himmlischen Daphnis gantz unruhig/ sucht den...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Wer kan mir sagen
Wo Daphnis sich
Hab' hingeschlagen
Mit seinem Wollen-Vieh?
Ich bin vor Liebe kranck und schwach
Ach aber ach!
An keinem Ort der Winden
Weiß ich Ihn mehr zu finden!
Sag' mir mein Leben
Dem meine Seel
Gantz ist ergeben
Was für ein' dunckle Höhl
Halt neidig dich geschlossen ein?
Wilst du dann seyn
Zu Mehrung meiner Sorgen
Vor mir so lang verborgen?
Als Saul alldorten
Erlegen schier
An allen Orten
Auffsuchte seine Thier
Hast du durch den Propheten ihn
Geleitet hin
Wo er in wenig Stunden
Die Maulthier hat gefunden.
Der Magdalenen
Hast dich gezeigt:
Wilst meinen Thränen
Dann bleiben ungeneigt?
Die mich frühe suchen finden mich:
(Seynd deine Sprüch')
Wie wilt du der Clorinden
Dann weigern dich zu finden?
Sag' was für Heyden
Beziehest du?
Wo wirst du weyden
Zu der Mittages-Ruh?
Damit ich nicht geh hin und her
Weit in die Fehr
Nach deiner Hirten Herden
Mit ängstigen Beschwerden.
Als des Narcissen
Liebhaberin
Sich lang beflissen
Irgends zu finden ihn
Ist endlich nach vergebner Mühe
Gesuncken sie
Und weil er sie verachtet
Vor Traurigkeit verschmachtet.
Ihr Leib verkehret
In einen Stein
Ligt jetzt bethöret
Die schwache Stimm allein
Noch übrig klagt durch Berg und Thal
Ihr Liebes-Qual
Kan aber auff der Erden
Nicht mehr getröstet worden.
Als dort Oenone
Den Paris hatt'
Gesucht und ohne
Denselben worden matt
Hat endlich sie in Uberfluß
Der Kümmernuß
Zu Clotho sich gewendet
Den Faden selbst vollendet.
Wer ohne Finden
Muß suchen lang
Dem wird geschwinden
Vor grossem Liebes-Zwang:
Hat Dido nicht den Tod erwehlt
Sich selbst gefällt?
Die Lieb ist gar unärtig
Will stäts seyn gegenwärtig.
Will nicht verwiesen
Nicht seyn veracht
Zeigt gegen diesen
Ein Herculische Macht
Wo sie einmal geschlichen ein
Da will sie seyn
Und solte sich entgegen
Enceladus auch legen.
Evadne rennte
Mit vollem Rann
Als man verbrennte
Ihr den verstorbnen Mann
Und stürtzte sich vor Liebes-Hitz
Gantz ohne Witz
Mit in des Ehemanns Flammen
Zu bleiben stäts beysammen.
Ich auch desgleichen
O Daphnis, nicht
Von dir will weichen
Weil grösser meine Pflicht:
Will sterben hertzlich gern mit dir
Wann du nur mir
Vergönnest dich zu finden
Vergessend meiner Sünden.
Was aber frage
Ich immerzu
Wo zu Mittage
Du habest deine Ruh'?
Das Creutz ist deine Ligerstatt
Wohin gantz matt
Mit hertzlichem Verlangen
Zu ruhen bist gegangen.
Ich kan nicht irren
Dort auff dem Berg
Der bittern Myrrhen
Am Holtz so überzwerg
Werd ich dich finden ohne Krafft
Wo du schmertzhafft
In mitten scharffer Waffen
Vor Lieb in Gott entschlaffen.
Da find' ich Schatten
Bey grosser Hitz
Wann mich abmatten
Die Forcht- und Kummer-Blitz'
Da wird mich wann mein Hertz gantz trüb
Dein' grosse Lieb
Mit deinen allergrösten
Angsthafftigkeiten trösten.
Wann ich betrachte
Wie dich ô Gott
Mein Hochmuht machte
Vor aller Welt zu Spott
So weiß ich nicht wie daß ich soll
Der Sünden voll
Hergehn in Gold und Seyden
Kein Unehr wöllen leyden.
Wann ich erwäge
Wie schmertzlich dich
Die Streich und Schläge
Ankommen seynd für mich
Wie du verwundet allerseits
So muß mein Creutz
Vor deinem Creutz sich schämen
Mich zur Gedult bequämen.
Was kan mich schmertzen
Wann deine Qual
Ich führ' zu Hertzen
Die ohne Maß und Zahl?
Solst du dann leyden nur allein
Ich frölich seyn?
Wie kan sich das wohl schicken
Ich lachen du ersticken?
Wann ich dich liebte
Ich billich auch
Mit dir gern übte
Was mühelich hart und rauch;
Bin oder besser ich als du?
Wer glaubt es nu?
Wer ohne Creutz dich liebet
Sehr weit dich von sich schiebet.
So will ich ziehen
Dem Berge zu
Das Creutz nicht fliehen
Dem Leib zu schaffen Ruh';
Dein Joch ist süß die Burd ist leicht:
Wer es nicht scheucht
Und selbst sich überwindet
Dich und die Ruh bald findet.