3.Der Herr offenbahret seinem Verräther vnd warnet Petrum vor Vermessenheit

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Mensch wach vnd nim dich in acht!

Weil Sathan vmb dich Tag vnd Nacht

Im Irrgang dieser Welt

Als ein heiß-ergrimmter Lew

Als ein Mörder ohne scheu

Manche sich're Seel' anfäll't:

Vnd stets Jägernetz auffstellt.

Wenn du gleich ietzt feste stehst:

Ja auff deß Himmels-Wege geh'st;

Kan Anstos doch vnd Fall

Vnversehns dich von der Höh'

Stürtzen in vnendlich Weh.

Der verdampten Marter-Thal

Wo nur heulen Ach! vnd Qval.

Gläntzte Judas bey dem Herrn

Nicht als ein schimmernd' Morgenstern

Den doch der hellen Raab

Mit verfluchtem Geitz beschwer't

Vnd sein Hertz so fern verkehr't

Daß Er vmb ein' kleine Haab

Den Schatz aller Welt hingab.

Wie hat Jesus sich betrübt

Als der den Er so Treu gelieb't

Ihn zuverkauffen tracht.

Einer auß Euch fieng Er an

Dehn ich noch nicht hassen kan

Ist mich warlich diese Nacht

Zuverrathen gantz bedacht.

Jeder durch diß Wort erschreck't

Ward durch betrübte Furcht entsteck't

Vnd sprach hab ich den Hohn?

Der der meine Schüssel braucht

Der mit mir sein Brodt eintaucht

Sag't Er ist's: deß Menschen Sohn

Geht ja durch den Todt zur Kron.

Wie der Geist verkündig't eh'

Weh' aber! weh! vnd Ewig weh!

Dem der Ihn dem Gericht

Der Ihn zu der Angst gewehrt

Ach! das Ihn die Welt ernehr't!

Ach! das ie der Sonnen-Licht

Hat bestrahlet sein Gesicht!

Bald rufft Judas: meinst du mich?

Er sprach du selbst verklagest dich:

Doch bleibt Er vnentdeckt.

Ob schon Jesus gleich hiermit

Auff deß liebsten Jüngers bitt

Einen Bissen Brodt ansteckt

Eintaucht vnd dem Judas reckt.

Den Sathan nun gantz besaß.

Geh hin: Spricht Jesus (wüntscht du das:)

Vnd was du thust das thu.

Er steht auff bey trüber Nacht:

Petrus rühmet vnbedacht:

Herr ich wil in Streit vnd Ruh

Alles bey dir setzen zu.

Jesus erseufftz't hoch vnd sprach:

Ach Simon Simon nur gemach

Der grimme Feind begehr't

Es sey dir leid oder lieb

Euch zu prüfen durch sein Sib

Wie der Weitzen wird bewert

Den man von der Tennen kehrt.

Ach wie bat ich vor dich Gott:

Daß nicht dein Glaub erlesch in Noth

Doch wenn sie nun verschwindt

Vnd du wider kanst auffstehn

Solst du auch entgegen gehn

Dehnen die vor schrecken blind

Neben dir gefallen sind.

Herr spricht Petrus keine Pracht

Kein Fässel keiner Folter Macht

Noch Schmach noch grause Pein

Noch Gewalt der grossen Welt

Trennet was mich zu dir hält.

Jesus redet ihm noch ein:

Diß wird bald vergessen seyn.

Eh ein Hahn vom Schlaff erweckt

Die nicht recht halbe Nacht entdeckt

Wird dein erblaster Mund

Dreymal läugnen daß Er mich

Je erkennet daß ich dich

Je geliebt vnd sonder Grund

Gantz verschweren meinen Bund.

Fels zum Anstoß außgesetzt:

An dem sich fleisches Lust verletzt:

Vermessenheit zerschell't.

Hilff daß ich an dir auffsteh

Nicht durch Geitz zu Grunde geh:

Dich als Felsern! den nichts fällt

Frey bekenne: Trotz der Welt!