3.Der Herr offenbahret seinem Verräther vnd warnet Petrum vor Vermessenheit
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Mensch wach vnd nim dich in acht!
Weil Sathan vmb dich Tag vnd Nacht
Im Irrgang dieser Welt
Als ein heiß-ergrimmter Lew
Als ein Mörder ohne scheu
Manche sich're Seel' anfäll't:
Vnd stets Jägernetz auffstellt.
Wenn du gleich ietzt feste stehst:
Ja auff deß Himmels-Wege geh'st;
Kan Anstos doch vnd Fall
Vnversehns dich von der Höh'
Stürtzen in vnendlich Weh.
Der verdampten Marter-Thal
Wo nur heulen Ach! vnd Qval.
Gläntzte Judas bey dem Herrn
Nicht als ein schimmernd' Morgenstern
Den doch der hellen Raab
Mit verfluchtem Geitz beschwer't
Vnd sein Hertz so fern verkehr't
Daß Er vmb ein' kleine Haab
Den Schatz aller Welt hingab.
Wie hat Jesus sich betrübt
Als der den Er so Treu gelieb't
Ihn zuverkauffen tracht.
Einer auß Euch fieng Er an
Dehn ich noch nicht hassen kan
Ist mich warlich diese Nacht
Zuverrathen gantz bedacht.
Jeder durch diß Wort erschreck't
Ward durch betrübte Furcht entsteck't
Vnd sprach hab ich den Hohn?
Der der meine Schüssel braucht
Der mit mir sein Brodt eintaucht
Sag't Er ist's: deß Menschen Sohn
Geht ja durch den Todt zur Kron.
Wie der Geist verkündig't eh'
Weh' aber! weh! vnd Ewig weh!
Dem der Ihn dem Gericht
Der Ihn zu der Angst gewehrt
Ach! das Ihn die Welt ernehr't!
Ach! das ie der Sonnen-Licht
Hat bestrahlet sein Gesicht!
Bald rufft Judas: meinst du mich?
Er sprach du selbst verklagest dich:
Doch bleibt Er vnentdeckt.
Ob schon Jesus gleich hiermit
Auff deß liebsten Jüngers bitt
Einen Bissen Brodt ansteckt
Eintaucht vnd dem Judas reckt.
Den Sathan nun gantz besaß.
Geh hin: Spricht Jesus (wüntscht du das:)
Vnd was du thust das thu.
Er steht auff bey trüber Nacht:
Petrus rühmet vnbedacht:
Herr ich wil in Streit vnd Ruh
Alles bey dir setzen zu.
Jesus erseufftz't hoch vnd sprach:
Ach Simon Simon nur gemach
Der grimme Feind begehr't
Es sey dir leid oder lieb
Euch zu prüfen durch sein Sib
Wie der Weitzen wird bewert
Den man von der Tennen kehrt.
Ach wie bat ich vor dich Gott:
Daß nicht dein Glaub erlesch in Noth
Doch wenn sie nun verschwindt
Vnd du wider kanst auffstehn
Solst du auch entgegen gehn
Dehnen die vor schrecken blind
Neben dir gefallen sind.
Herr spricht Petrus keine Pracht
Kein Fässel keiner Folter Macht
Noch Schmach noch grause Pein
Noch Gewalt der grossen Welt
Trennet was mich zu dir hält.
Jesus redet ihm noch ein:
Diß wird bald vergessen seyn.
Eh ein Hahn vom Schlaff erweckt
Die nicht recht halbe Nacht entdeckt
Wird dein erblaster Mund
Dreymal läugnen daß Er mich
Je erkennet daß ich dich
Je geliebt vnd sonder Grund
Gantz verschweren meinen Bund.
Fels zum Anstoß außgesetzt:
An dem sich fleisches Lust verletzt:
Vermessenheit zerschell't.
Hilff daß ich an dir auffsteh
Nicht durch Geitz zu Grunde geh:
Dich als Felsern! den nichts fällt
Frey bekenne: Trotz der Welt!