3. Hochfeierliche Empfängnuß Christi
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Der Höchste zu der Zeit als Eva gantz vermessen
den Höchsten und sich selbst gestellet in vergessen
durch allzu kühne Hand auff einmal Obst vnd Tod
gebrochen abgestürtzt sich mich und dich in Noth
Sprach seine Diener an: Wie meine jhr meine Bürger
Soll der Verleumder dann der Höllen Mohr der Würger
so Meister spielen? Nein; soll denn der Apffelbiß
mir in der Sternenburg thun einen solchen Riß?
Ich will den! Gabriel auff setze dich zu Wagen
Laß dich den Wolckensturm durch Dampff und Dünste tragen
in Pfeilgeschwinder Eil hin in Idumens Stadt
die von dem grünen Zweig den schlechten Namen hat
Da wohnt die gegen der die Gottheit ist entflammet
die von Vhranen her und Königs Blut gestammet
sag daß sie tragen soll den der sie selber trägt
das Menschen Hauß und alls was sich darinnen regt;
Genug! der Herold fleugt in Götter hoher grösse
es lebt durch Seidnen Flor die wolerziemte Blösse
das Stirngestirne Liecht die Wangenzier bestralt
den Rosengleichen Mund mit Lilgen untermahlt.
Das Wollenweiche Haar sich von der Scheitel strecket
den Alabaster Hals wie klares Fließgold lecket;
So blinckt der Tag der Nacht das liechtentlehnte Liecht
neigt nächtlich Wolcken ab sein Sichel Angesicht
beleuchtet sich im Meer bespiegelt sich im Wellen
die jhrer Fürstin gleich bald ab bald zuwerts prellen;
In seiner Rechten gläntzt die Blumenkönigin
die Kron vnd Sceptern gleicht; die die in jhren Sinn
Dem Trauring abgesagt; durchlas damal die Blätter
die jhr und jhres Sohns hertzallerliebster Vetter
vorlängsten auffgesetzt; der Abgesandte schwingt
sich in jhr Zimmer hin vnd seinen Gruß anbringt:
O Holdselige Jungfer sey gegrüsset
O begnadete Mutter sey geküsset
du Sonnengüldne Zier
Du hochgebenedeyte Magd
was allen Mägden ist versagt
hat Gott gethan an dir.
Du du du bist allein
die Krone keuscher Jugend
deß Frauenzimmers liechter Schein
der Außzug aller Tugend
Der der der Berge Last
mit einem dreyling fast
der Sonn vnd Monden leitet
der auff deg Sternen reitet
hat dich zur Braut erwehlet
und sich mit dir vermählet
Er suchet seine lust
und will neun Monden lang bewohnen deine Brust.
Die der die Zeitung kömt vnd auch der Bot schweigt still.
Wie wann die müde Sonn zu Golde gehen will
sich über dem Gebrauch herauß zu streichen pfleget
im Scharlachrohten Rock zu jhrem Bräutgam leget;
So schläget vnter sich das vnbefleckte Bild
die hellen Augelein mit Gottheit angefüllt
gefärbt und nicht gefärbt; Blut streitet mit Erblassen
die keinen Mann erkannt kan solche Post nicht fassen;
Worauff der Engelprintz von dessen Lippen fleust
Milchsüsse Redenheit die Götterwein außgeust.
Laß seyn spricht er: die Furcht du Schönste wirst empfangen
der Heyden heilges Heil das lange Welt verlangen
den Mensch Gott Gott der Gott und Mensch von ewigkeit
der Glantz das Ebenbild; was er war vor der Zeit
das bleibt Er was Er nicht das hat Er angenommen
Heut wird Gott warer Mensch! ich bin von Gott herkommen
und habe mich gewagt durch dunckeldüstre Lufft
gesegelt blitz geschwind durch nebelnasse Tufft.
Wann dann deß Himmelsschluß dich würdigst aller würden
in vnverrückter Zucht entbürden wird der Bürden
(wie sonst ein Apffel fällt wann jetzt die Sonne führt
den Wagen in die Wag den keine Hand berührt)
Denn solst du deinen Sohn den reinen Jungfer Samen
Du Junfer Mutter selbst mit Jesus Namen namen
denn Er ist übergroß der grosse Vattersohn
von Gott und selber Gott in einer Gottheit Thron.
Er Davids Reichsgenoß wird hochgeachtet werden
der Herrscher der beherscht den weiten Kreiß der Erden
von Kind Kindeskind; Es wird von Land zu Land
es wird von Meer zu Meer sein Name seyn bekand.
Der Geist der mir den Geist und dir den Geist gegeben
wird wircken jnner dir daß Gottes Sohn wird leben
und werden was du bist; Auch die mit dir gesipt
die Kinderloß gelebt jetzt eine Mutter gibt.
Schon Sechsmal hat bereit das Hörner Angesichte
versilbert seinen Glantz mit neugeborgten Liechte
seyt das Elisabeth hoch schweres Leibes geht
was Gott einmal beschleust das jmmer veste steht
und bleibet ewig waar; bey Gott sind alle Sachen
zur mögligkeit gebracht; das Wort kan alles machen
das selber nicht gemacht; doch alls in allem ist
es stund flugs alles da da diß Wort sprach ein St.
Deß Himmels ist verweist geschmincktes wörterlügen
drüm gläubt die Mutterbraut dem der da nicht kan trügen
und gibt jhr Jawort drein.
Ich gebe mich und will was Gott gewillet
Vernunfft erliegt der Glaube siegt
Der Glaub allein den schwancken zweiffel stillet.
Ich kenne schon das blancke Feyerkleidt
das krause Haar deß blauen Herrligkeit.
der Götter volle Saal ist üm und üm umringt
mit Engeln überall.
Die Krafft deß Höchsten Krafft wirckt jnner jhren Leibe
verwacht die Jungferschafft und macht gleichwol zum Weibe
Frau Mutter Jungfer Braut. Euch nennt das kleine Kind
Frau Mutter da jhr euch doch Jungfer Braut befindt.
Ihr habt die Mutterlust den Jungfer Ehrennamen
Die Blume blühet schön und trägt im blühen Saamen.
Diß Rund erschüttert sich mit unerhörten krachen
Das Wolckenblaue Dach hat ob den Wundersachen
zur lincken Hand geblitzt; das Schiff durchpflügte Meer
empfund den Donnerstral; es winselt über sehr
der Stimme Gegenbild. So ist bekenntlich worden
deß Herren Gegenwart von Westen biß in Norden
weit über Thule nauß; ja wo die Sonne glimt
wenn sie die Reisefahrt von Ost nach Suden nimt.