3. Ich ruhe in den Felßlöchern
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Wann der Wolcken Nacht aufsteiget
an dem blauen Sternenfeld
Vnd deß Wetters Flammen zeiget
daß die steinern Eichen spelt
Treibt der Hirt die Schäfelein
vor deß Himmels Vnmuth ein
sichert sie vor Dampf und Blitzen
und der Donnerkeile sprützen.
Das beliebte Volck der Lüffte
stelt sein tireliren ein
und versteckt sich in die Klüffte
daß es möge trucken seyn
auch die Turteltaube schaut
wo sie jhr Hauß aufgebaut
in der holen Felsen Ritzen
vor deß Hagels Zorn zu sitzen.
Ach es hat sich aufgezogen
eine dunckeltrübe Nacht
es kömpt Pechschwartz hergeflogen
durch deß Wolkentreibers Macht
der erzürnte Höchste schilt
seiner Stimme Donner brült
der erboste Himmel wittert
Wild und Wald und alles zittert.
Wol dem der sich hat gefunden
wenn es hagelt dampft und blitzt
in die Höle der fünf Wunden
seines Heylands der jhn schützt
daß jhm weder Sturm noch Flut
weder Hagel Dampf noch Glut
auch im minsten nicht kan rühren
ja das Wetter selbst nicht spüren.
Gleich wie die verwäisten Jungen
vor dem Habicht schüchtern seyn
wenn ein Raub jhm mißgelungen
so verkreucht sich groß vnd klein
in ein stilles Klippendach
Er setzt an vnd kan nicht nach
fleugt erbittert auff und nieder
flattert hungrig hin und wider.
Also ruhet meine Seele
weil sie zeitlich eingekehrt
in die sanffte Seitenhöle
kein Stoßvogel sie gefährt
läst der starcken Schlossenmacht
alles splittern daß es kracht
und verlacht deß Geyers Magen
der sich nicht an sie darf wagen.
Wann von neuen wird bemahlet
der hochliecht gestirnte Saal
und der Erden Fakkel stralet
übergüldet Berg und Thal
kömt das Vöglein wider vor
schwingt sein Stimlein schön empor
und kan auf viel tausend weisen
seines Schöpfers Rettung preisen.
So wann es in meinem Hertzen
wider stil und heimlich wird
acht ich keiner Furcht und Schmertzen
singe klinge daß es schwirt
such ein neues Lied herfür
spiel eins auf der Lauten Zier
Ich kan keiner Freude missen
üm daß ich dem Todt entrissen.