3. Lieb' und Leid

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Wie flüchtig rinnt die Stunde,

Da in verschwiegner Glut

Sich neiget Mund zu Munde

Und Herz am Herzen ruht!

Der Mond hört auf zu scheinen,

Kühl geht des Morgens Hauch –

Kurz Lachen, langes Weinen,

Das ist der Liebe Brauch.

Und doch, wiewohl sie Leiden

Allzeit zum Lohne gibt,

Nie mag von Liebe scheiden,

Wer einmal recht geliebt.

Er trägt die heißen Schmerzen

Viel lieber in der Brust,

Als daß er nie im Herzen

Von solchem Glück gewußt.