3. Sieg

By Friedrich Hebbel

Written 1856-01-01 - 1856-01-01

Zum ersten Male ist sie heut' gegangen

Als junge Christin zum Altar des Herrn;

Die dunklen Worte, die vorher erklangen,

Sie hielten ihr die ganze Erde fern;

Ein Todesschauer bleichte ihre Wangen

Und fast verglimmte ihres Auges Stern,

Denn, wer nicht würdig ißt und trinkt, so spricht

Gott selbst, der ißt und trinkt sich das Gericht.

Und dennoch hat sie heut' sich mir ergeben,

Wo jegliche Empfindung ihr's verbot;

Sie wagte einmal, ihren Blick zu heben,

Da sah sie mich und wurde wieder roth;

Nun nahte sie sich dem Altar mit Beben

Und nahm nur noch mit Angst das heil'ge Brot,

Und als sie auch verschüttete den Wein,

Da jauchzte ich: sie ist auf ewig mein!