30. Die Schildkröte und die Ratte

By Maler Müller

Written 1787-01-01 - 1787-01-01

Vor dem Sturm eilt sich zu schützen

Manches Thier dem Walde zu;

Nur die Schildkröt' bleibet liegen

Auf dem off'nen Feld in Ruh.

Dies erblickt die Ratte; zeigen

Will sie auch den gleichen Mut,

Daß auch sie der Sturm nicht schrecke

Noch des Regens kühle Flut.

Tückisch grollend lacht der Eitlen

Jene bei sich, denn sie sah

Ueber sich, bald Unheil bringend,

Weiße Hagelwolken nah.

Und nicht lang', so rauscht es; Schlossen

Schlagen nieder, scharf und dick.

In ihr Schild zieht jetzt die Kröte

Sicher Kopf und Bein' zurück.

Doch die arme Ratte findet

Keinen Schirm, der sie hier deckt;

Und in wen'gen Augenblicken

Liegt sie todt dahingestreckt.

Miß nicht, Armer, dich mit Reichen,

In der Not deckt sie ihr Glück.

Nackend sinkst du; jene freuet

Oefters noch dein Mißgeschick.