30. Die Schöne Unbeständige.

By Hans Aßmann von Abschatz

Mir thut du Wechsel-Kind der Lieb' an dir nicht weh

die Unbeständigkeit der flüchtigen Gedancken:

Denn woltestu niemahls von deinem Sinne wancken

So wärestu ein Felß in meiner Thränen-See.

Die heisse Sommers-Zeit zerschmelzt den härtsten Schnee;

Man wird dich gegen mir noch schn vor Liebe krancken.

Bleibt Sonn und Monde doch nicht stets in gleichen Schran-

cken

Sibyllens kluges Blatt führt Zephir in der Höh.

Peleens Wunder-Braut ward bald zu einem Drachen

Bald ward sie mit der Haut des Leuen überdeckt

Das Feuer konte sie doch endlich zähmer machen.

Du die du hast in mir den heissen Brandt erweckt

Würdstu nicht auch einmahl beständig wär’ es viel:

Das Böse hat so wohl als Guttes Maß und Ziel.