30. Ergebung In Göttliche Regierung

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

JESU meine süsse Freud

Hoffnung Heil und ganzes Leben!

wer solt deiner Gütigkeit

doch nit gänzlich sich ergeben:

wann mich Unglücks Sturm und Wind

an die Zweiffels-Klippen schmeisset

des Trostschiffleins Wand zerreisset:

fängest du mich auf geschwind.

Wann ich in dem Irrgang bin

vieler Sorgen und Gefärden

und nicht weiß wo aus wo hin

find' auch keine Schnur auf Erden;

kan ich bald in deinem Wort

eine Wunderführung finden;

kan mich aus-und überwinden

durch dich meinen starken Hort.

Wann der Himmel über mir

ganz von Zornes-Donner krachet

und die Erde mit Begier

ihren Schlund nach mir aufmachet:

bleib' ich doch in gutem Stand

laß mich ihrer Macht Vermögen.

im geringsten nicht bewegen.

was mich schutzt ist seine Hand.

Wie die Sonn den Erden-Kreiß

täglich neu mit Glanz bemahlet:

so des Höchsten Wunder-Preiß

uns auch stündlich neu bestrahlet.

Wir sind seiner Güte Ziel:

seinem Raht pflegt zu belieben

Weißheit Allmacht Recht zu üben

offt zu halten manches Spiel.

Er beginnt mit meinem Geist

nach der Spiel-Art mit dem Ballen:

der bald in die Lufft auffreist

bald auch muß zur Erden fallen.

Beedes ist sein Will und Werk':

ihn laß' ich mich nach verlangen

schwingen werffen wider fangen.

Er war ist und bleibt mein Stärk'.