33.Auff den gecreutzigten Jesum/ in dessen Seiten die Seele als geflügelt auffst...

By Gottfried Arnold

Written 1690-01-01 - 1690-01-01

Wie grauet doch dem Fleisch vor seinem Tod

Es fleucht das Creutz erschüttert vor dem Leiden

Drum sind dem Geist des Glaubens Flügel noth

Der mich auffhebt und bringt in deine Seiten

Da steig ich frisch die Jacobs-Leiter an

Ach geh mir doch von deinem Creutz entgegen

Ach laß mich fein in deine Wunden legen

Und bind mich fest daß ich nicht weichen kan!

Laß die Natur entkräfftet sincken hin

Und Lust und Nutz und Ehre seyn erstorben

Biß ich der Welt ein rechtes Scheusal bin

Und an dem Creutz in Adam gantz verdorben.

Erheb dafür den neuen Sinn empor

Und mach ihn leicht zu dir hinauff zu fliegen

Leg immer ihm die leichten Lasten vor

Darunter er sich schmiegen soll und biegen.

O laß mich stets zu dir gestrecket seyn

Und doch noch mehr ins Tieffe gehen ein:

Hoch an dem Creutz tieff in mein Nichts gesencket

Biß du mir gantz und ich dir werd geschencket.