33. Morgen-Lied

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Das ewig unvergänglich Liecht

das Gnadensafftig einher bricht

und Seegen auf uns thauet

schafft daß die Sonn der Klärheit Thron

des Sternen-Reichs verguldte Kron

man frölich wider schauet.

Ehret mehret

Gottes Würde eur Begierde

soll itzt ringen

Gott am ersten Lob zu bringen.

Die kleine folg der grossen Welt

und werd nächst ihr zugleich erhellt:

doch mit viel edlern Strahlen

die nicht wann dieses grosse Rund

wird gehen ganz und gar zu grundt

mit solchem auch hinfallen.

Herzen Kerzen

Geistes glänzen kan bekränzen

wann die Erden

muß zu Staub und Aschen werden.

Gib daß der Geistes-Sonnen Krafft

geb meiner Sinnen-Erde Safft:

viel Tugend-Blüh zu zeigen.

Laß solche wie die Sonnen-Ros'

erhebend von dem Erden-Kloß

zu dir sich wider neigen.

Anfang Fortgang

glücklichs Schicken quickends Glücken

seeligs Enden

kommt O Gott aus deinen Händen.

Wann deine Gnaden-Hand mich führt

mein Geist dein Geist-Bestrahlung spürt

dein' Allmacht mir beyspringet:

so ist mir nichts unmüglich hoch.

Wann tausend Hydren wären noch

wann mich die Höll umringet

wolt' ich kecklich

sie verlachen meine Sachen

wohl vollbringen

dir Herr Lob und Sank zu singen.