35. Uber die Blumen

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Du Allschöpffer auch die Lilgen so in tieffen Thälern stehn

wunderschön herfür läst gehn.

Ihr Gewand die holde Blüh

altet nie.

Jedes Blätlein jedes Strichlein weiset deiner Allmacht Pfad

und die Würkung deiner Gnad;

jedes trägt dein Weißheit-Bild

in dem Schild.

Ihr der Erden schöne Sternen holde Blumen seyd das Werk

wo ich Gottes Güte merk:

weil er euch so herrlich ziert

schutzt regiert.

Wo der Augen Glanz hinblicket wo mein Fuß sich nur hinsetzt

sih' ich alls von dir ergetzt.

Dein Lob was nur geht hervor

hebt empor.

Ach mein auserwählter Schöpffer! deine Güt' ist übergroß.

Ja es ist der Erden Kloß

zu empfangen ihren Schein

viel zu klein.

Höchster! laß mich dich zu loben deine Wunder sehen an.

überall man lesen kan

deinen nie verglichnen Fleiß

Ehr und Preiß.

Was betracht ich lang der Wiesen Wälder Felder Gärten Zier?

hat doch deine Gnad an mir

mehr gethan die selbsten sich

senkt in mich!