37.Uber das Unglück seiner Tochter/ an eine Fürstliche Person

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Mein Kind Loise fleht doch mit erstarrter Zungen

Und sucht O Fürstin! Hülff aus der Durchlauchten Hand;

Sie tret' an Gottes statt und helff O Himmels-Pfand!

Der die von etwas mehr denn Menschlich wird besprungen.

Ich flehe vor mein Kind und werd' aus Angst bezwungen

Zu schweigen: Wehmuth ists die meine Lippen band

Der Mutter Thränen-Fluth erhitzt den grausen Brand

Der nunmehr durch diß Hertz biß an den Geist gedrungen.

Princeß' ich bitte nur diß einig sie vergönne

Daß man doch auf ihr Wort der Noth abhelffen könne

Die drey so unerhört als unaussprechlich kränckt.

Princeß' es ist was viel was ich von ihr begehre

Doch such' ich nichts als das Ihr schuldigst Lob gewähre

Ein Kindlich Mund dem sie die Zung auffs neu geschenckt.