37. Wiesen Liedlein

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ach du preißbar-hoher Gott!

wer kan deine Güt' erreichen?

welche Adler-Sinn durchstreichen

deinen Ruhm Herr Zebaoth

ich kan mich so hoch nicht schwingen

will nur von dem nidern singen.

Nicht die seltne Engel-Zier

noch der Sonne Wunder-Wesen

hab ich mir jetzt auserlesen:

es wird nur von mir allhier

in der Blumen vollen Wiesen

Gottes Allmacht Pracht gepriesen.

Schaut das holde Schmelzwerk nur!

jeder Blumen Farb' und Blüte

ist ein Spiegel seiner Güte.

Roht ist seiner Liebe Spur:

daß er uns sein Herz abmahlet

wie es lauter Flammen strahlet.

Blau ist seiner Hoheit Bild

und des unerzielten Sitze

seiner Wunder Herrschungs-Witze

mein Saphirner Himmels-Schild:

Göldne Sternen-Blick drein fanken

Freuden hoher Glück-Gedanken.

Seht nur wie bespiegelt sich

sein rein-weisse Herzenstreue

in der weissen Blätlein Reihe

so Geist-weiß-verwunderlich!

sein rein-weisses Herz und Wesen

wir in jedem Blümlein lesen.

Dieser Blumen Purpur-Tracht

zeiget an das blutig schwitzen:

ob sie aus den Ritzen spritzen

und daraus hieher gebracht

seines Blutes Ebenbilder

gleichsam unsre Schutzes-Schilder!

Was soll denn das Grüne seyn?

ach es zeiget daß das hoffen

steh' in Gottes Güt' uns offen!

jedes Graß wär's noch so klein

dunkt mich mit Begier mir sagen:

ich soll wünschen hoffen wagen