39. Lust Liedlein bey dem Ypserfluß

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ach du schöne klare Quell

schnell' und hell!

fließ in süssen Freuden!

an dir wolle für und für

Lust und Zier

mit viel Freuden weiden.

Deiner Ufer Graß-Smaragd

mir behagt

vor das Türk Gewebe.

Was ist Gold und Seiden Wust

ohne Lust?

Freud' und Freyheit lebe!

Wann Aurora in der Früh

sprengt die Blüh

komm ich sie zu grüssen;

opffer einen klingel-Reim

in geheim;

eh Hitz-Strahlen schiessen.

Mit dem hellen Demant-Thau

ist die Au

durch und durch versetzet.

Niemand stillt den Himmel-Pracht

bey der Nacht

er bleibt unverletzet.

Hier sih' ich an allem Ort

meinen Hort

Hoffnung so mein Leben.

Biß zum Westen von dem Ost

muß mein Trost

mir vor Augen schweben.

Ich vergönn der Kronen Pracht

Ehr und Macht

dem den sie belieben:

denke bey der klaren Bach

Tugend nach

mich in ihr zu üben.

Weil das Geld ein Sorgen-Nest:

ist das bäst

die Begierde fliehen;

mit der frischen Fischer-Schaar

ohn Gefahr

Fisch davor beziehen.

Nimm die Blumen an den Rand

um den Strand

vor die edlen Steine:

sie sind ohne Meeres-Reiß

jedem Preiß

gleich so schön von Scheine.

In dem weissen Blüte-Buch

ich aufsuch

die Erschaffungs-Wunder:

setze dann an jedes Blat

an die statt

Lob und Preiß darunter.

Deiner Sänger Lufft gethön

klingt so schön:

über Feld-Trompete

die nur Blut und Mord bereit.

Dieser Streit

Lobt Gott in die Wette.