3Die Märtyrer

By Adelbert von Chamisso

Written 1809-01-01 - 1809-01-01

Welche nicht gewohnte Klänge

Hallen von den Klüften wider?

Jubelruf und Festgesänge:

„Heil dem Kreuz!“ und Siegeslieder;

Und der Türke schaut verzaget

Nach den Bergen hin und fraget,

Ob der Halbmond unterliegt?

Ja, die Christusstreiter waren

Stark in harten Kampfs Gefahren,

Ja, es hat das Kreuz gesiegt.

Neun Tag ist das Blut geflossen;

Der Barbaren wilde Horden,

Die sich rings ins Land ergossen,

Fangen Menschen ein und morden;

Herdenweise heimgetrieben,

Wie sie fest im Glauben blieben,

Sind dem Tode sie geweiht;

Wen'ge sparet man zu Sklaven;

Sie zu feilschen sind im Hafen

Fränk'sche Schiffe schon bereit.

Von den Bergen niederwallen

Sieht man einen neuen Haufen;

Diese sind, ach! abgefallen,

Sich vom Tode loszukaufen;

Türken, welche sie begleiten

Und voran dem Zuge reiten,

Triumphieren hochentzückt;

Doch sie selbst mit dumpfem Schweigen,

Und mit Schamerröten zeigen,

Wie die Schmach sie niederdrückt.

Wie zum Richtplatz sie gelangen

Und dem Tod ins Auge schauen,

Dort, wo ihre Brüder hangen,

Überwinden sie das Grauen;

Es erfaßt sie, und sie beben

Vor der Sünde nur, dem Leben,

Vor der Schande bittrer Not: –

„Heil dem Kreuze! wir sind Christen,

Wollen nicht das Leben fristen;

Gebt uns Märtyrern den Tod!“

Und der Bascha winkt im Grimme

Seinen Schergen sie zu schlachten;

Laut erschallt von fester Stimme

Der Gesang der Christenschlachten;

Blut beginnt den Grund zu färben,

Und sie singen, und sie sterben,

Und des Kreuzes Hymne schallt,

Bis, erfüllt des Himmels Wille,

Schauerlich in Todesstille

Endlich der Gesang verhallt.