[4] Auszug eines Briefs an den vorgemeldten, aus Lyon nach JenaVorzug der Freyhe...

By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Written 1676-01-01 - 1676-01-01

Ihr Aermsten, die ihr selbst nach euren Ketten rennt,

Und um die Dienstbarkeit mit Thränen bitten könnt,

Wie? bietet ihr, zur stoltzen Phillis Füssen,

Euch selbst zu Sclaven an?

Sagt, was ist wohl der Freyheit zu vergleichen?

Sie übertrifft, was man sonst Wollust nennt;

Kein Sterblicher wird diesen Schatz erreichen,

Dem ihn nicht sonderlich des Himmels Güte gönnt.

Die Freyheit wohnet nicht in allen Seelen;

Zieht sie bey einem ein,

So kan er sich mit Recht zu diesen zehlen,

Die etwas mehr als Menschen seyn.

Wohl dem! der frey und ungebunden

Des kleinen Götzen Pfeil veracht.

Wer es so weit auf dieser Welt gebracht,

Der rühme sich, daß er gefunden,

Was mehr als Ormus Schätze gilt.

Er kan der andern Thorheit lachen,

Die offtmahls um ein falsches Bild

Ihr eignes Hertz zur wahren Folter machen.