4. Clorinda kommt in Erkanntnuß/ daß die zeitliche Straff Gottes/ Creutz/ und Le...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Weil ich auff dem Wollusts-Weg

Meine Täg'

Ohne Sorg verzehret

Hab' ich Heyl-vergessen mir

Selbst die Thür

Zu dem Heyl versperret

Massen ich so Laster-geyl

Nach der Höll geloffen

Daß von meinem Seelen-Heyl

Wenig mehr zu hoffen.

Als nun Daphnis also mich

Liederlich

Sah' in Sünden leben

Und nur nach der Eitelkeit

(Allbereit

Gott-vergessen) sterben

Bracht ihm meine Heyls-Cefahr

Kümmerliche Sorgen;

Dann mein böses Leben war'

Ihm gar nicht verborgen.

Klopffe derohalben offt

Unverhofft

An bey meinem Hertzen

Sagte mir ich solte nicht

Wider Pflicht

Seine Lieb verschertzen;

Aber sein Ermahnungs-Lehr

War' an mir verlohren

Dann ich gab' ihm nur Gehör

Mit Ulysses-Ohren.

Als er mich zu seiner Schmach

Also sah'

Allen Raht verachten

Müßt' auff andre Mittel Er

Weil ich schwer

Zu bekehren trachten;

Kame mit der Höllen-Straff

Ernstlich mich zu schröcken

Von dem tieffen Sünden-Schlaff

Endlich auffzuwecken.

Schickte mir in bester Ruh

Gähling zu

Schwäres Creutz und Leyden,

Mir den Weg zum Undergang

Mit Bezwang

Also abzuschneiden;

Dann weil ich im Glückes-Stand

Stäts verbeint geblieben

Hat Er mich mit scharffer Hand

Zu dem Joch getrieben.

O wohl ein gantz allerseits

Güldnes Creutz

So die Sünder bessert

Welches des Gottlosen Aug

Mit der Laug

Wahrer Reu bewässert!

Unglück ist das beste Glück

Glück bringt nur verderben

Wessen Gnaden-reiche Dück'

Heilig machen sterben.

Reben die man Frühlings-Zeit

Fleißig schneidt

Zwar anfänglich wäinen

Aber wann der Herbst einbricht

Sie gar nicht

Mehr betrübt erscheinen

Dann sie zierlich auffgemutzt

Voll der Trauben hangen

Hätte man sie nicht gestutzt

Wurden sie schlecht prangen.

Wann dem Baum die geile Proß

Zweig und Schoß

Man nicht wird benemmen

Wird vor andern Bäumen er

Früchten lähr

Sich bald müssen schämen

Muß demnach aus seiner Stätt

Auff den Scheiter-Wagen:

Wann man ihn gestümmlet hätt'

Hätt' er Frucht getragen.

Machen auch die Krieges-Leut

Gute Beut

Die nicht scharff gefochten?

Keinem wird der Sieges-Krantz

Bey dem Dantz

Ohne Streit geflochten:

Durch die Wunden werden sehr

Ruchtbar die Soldaten

Keiner kan zu grosser Ehr

Sonder Mühe gerahten.

Will die Erde fruchtbar seyn

Korn und Wein

Nach Erfordrung haben

Muß sie ihr verwachsnes Hertz

Durch das Aertz

Lassen tieff durchgraben

Durch des kalten Winters Wuht

Reiffen Schnee und Regen

Wird sie wiedrum frisch und gut:

Räuche bringt den Segen.

Ob die Drucker dem Papier

Schon offt schier

Gar die Seel auspressen

Kan es doch sein Ungemach

Keiner Rach

Oder Zorn zumessen

Massen es dardurch empfangt

Weißheit der Buchstaben

Welches jederman verlangt

Stäts bey sich zu haben.

Zierlich prangt die göldne Cron

Auff dem Thron

Mittelst vieler Streichen

Alle Klopffer Schläg' und Schnitt'

So sie litt'

Ihr zur Zierde reichen

Auff den Königs Häuptern macht

Sie das Leyden prangen

Ohne welches solchen Pracht

Sie nicht wurd' erlangen.

Niemal werden Flachs und Hampff

Ohne Kampff

Zarte Leinwat geben

Müssen durch der Hächel Zähn

Mühlich gehn

Ohne widerstreben

Endlich wird ein Hemmd daraus

Oder zarter Kragen

So aus einem schlechten Hauß

Wird nach Hof getragen.

Rauche Stöck' und grobe Stein'

Werden fein

Nach erlittnen Wunden

Und nach gantz entwetztem Stahl

Manches mahl

Schöne Werck' befunden:

Was zuvor abscheulich wild

An Gestalt gewesen

Durch das Hauen wird ein Bild

Schön und auserlesen.

Also macht das Affter-Glück

Schöne Stück'

Aus den Menschen-Kindern

Pflegt den Hoch- und Ubermuht

Durch die Ruht

Seiner Tück zu mindern:

Leyden schreckt die Sünder ab

Von gottlosem Leben:

Leyden macht die Welt schabab

Und nach Tugend streben.

Als Manaß' im Glückes-Stand

Sich befand'

Hat er Gott verachtet

Balaim den falschen Gott

Gott zum Spott

Fettes Vieh geschlachtet

Als ihn aber hingeführt

Seine Feind' gefangen

Ist er von der Reu berührt

In sich selbst gegangen.

Auch Nabuchodonosor

Kurtz zuvor

Gott nicht wollt' erkennen

Als darauff er aber bald

In dem Wald

Herumb müßte rennen

Hat ihn endlich sein Unglück

Zu der Buß getrieben

Sonsten wär' er weit zurück

Von dem Heyl geblieben.

Wann der Artzt aus reiffem Raht

Zucker hat

Frucht-loß vorgeschrieben

Muß durch bitters Aloë

Dann das Wehe

Werden abgetrieben;

Daphnis pflegt das Myrrhen-Oel

Häuffig zu ertheilen

Wann die Sund-erkranckte Seel

Schwärlich mehr zu heilen.

Wann die scharffe Straffes-Ruht

Dann so gut

Für die krancke Seelen

Ey so komm' Samaritan

Bald heran

Mit den schärffsten Oelen

Dopple deine Streich' und Schläg

Oeffne schneid und brenne

Daß gesund ich werden mög'

Und zur Höll nicht renne.

Gern will mit dem Phœnix ich

Legen mich

Auff den Myrrhen-Hauffen

Mit Abtödung meiner Sinn

Mit Gewinn

Neues Leben kauffen

Daß alsdann wie er auch ich

Ewig möge leben

Weil ich allem Creutz nun mich

Willig undergeben.