4. Clorinda/ ihren Himmlischen Daphnis, welcher in den Garten hinunter gestiegen...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Mein Liebster ist

Ohn mein Erwarten

Hinab in seinen Garten

Eh' ich was von gewißt;

Nun kan ich höchst-beflissen

Ja nicht wissen

In welchem ungefehr

Zu finden Er

Dann weil der Gärten viel

Ist ungewiß das Ziel.

Wo soll ich hin

Den Weg dann nemmen?

Zu was Schluß mich bequemen?

Weil ich gantz weisloß bin;

Er ist auch nicht nach Hyblen,

Wegen üblen

Zugangs als welcher streng

Mühsam und eng:

Das Immenkraut ist je

Nicht werth so grosser Mühe.

Hymettus auch

Der manchen wäinen

Gemacht mit seinen Steinen

Ist viel zu hart und rauch;

Er kan den Honig haben

Ohne Waben

Aus der Melissen Hand

Auff flachem Land:

Er selbst der Honig ist

Wer seinen Namen lißt.

Cantaon zwar

Ist worden ruchtbar

Daß es beglückt und fruchtbar

Dreymal in einem Jahr

Ziecht doch mit solchen Früchten

Auff mit nichten

Wie Daphnis, welcher selb

(Zum Schnitt gantz gelb)

Ein solches Brot und Wein

So nicht könnt' edler seyn.

Er hat auch nicht

Nach des so zarten

Adonis Blumen-Garten

Sein Hertz und Gang gericht

Dann Er von Davids Stammen

Bestem Samen

Entsprossen eine Blum

Als die den Ruhm

Von wegen edler Saat

Vor allen Blumen hat.

Er geht nicht mehr

Allwo die Diebe warten

Auff der Susannen Ehr;

Wo man die keusche Gilgen

Will vertilgen;

Wo man die Rosen bricht

Da bleibt er nicht;

Er pflegt nicht hinzugehn

Wo welcke Blumen stehn.

Ist Zweiffels ohn'

Auch nicht gegangen

Nach Garten die dort hangen

Erhöcht zu Babylon;

Er förcht sie möchten knallen

Gar einfallen;

Wo man in Lüfften hangt

Stoltziert und prangt

Mag seine Demuht nicht

Hinwenden ihr Gesicht.

Er wird nicht gehn

Glaub' ich desgleichen

Nach dem durchaus Gold-reichen

Feld der Hesperiden;

Wo sich der Geitz befindet

Da verschwindet

Er stracks im Augenblick

(Geitzhals erschrick')

Gott und Mammona seynd

Zwey abgesagte Feind'.

Die Flora kan

Kein Oertlein zeigen

Ob alles schon ihr eigen

Wo er zu treffen an:

Dann weil die Blumen welcken

Und versälcken

Offt eh' die erste Nacht

Herzu sich macht

So hält er solche Ding

Für sich viel zu gering.

Obschon der Pfön

Sammt den Etesen

Den Garten der Farnesen

Zu Rom beblümet schön:

Und sich die Wunder-Affen

Dort vergaffen

An mancher Seltsamkeit

Insonderheit

Weil dorten der Fürwitz

Bekommen seinen Sitz.

So kan die Kunst

Verstorbner Händen

Die gähling pflegt zu schänden

Ein' unverhoffte Brunst

Den Daphnis nicht bewegen

Nach zu hegen:

Einfalt und Demuht kan

Ihn ziehen an:

Die Lieb Ihn stärcker hält

Als alle Kunst der Welt.

Ist Er vielleicht

Dahin gegangen

Wo süsse Trauben hangen

Die man dem Mett vergleicht?

Wo bey den Safft-Rubinen

Gleich den Binnen

Man sich in Wollust setzt

Und stäts ergetzt?

Wo man ist immer naß

Hat Daphnis keinen Spaß.

Die Nüchterkeit

Ist bey den Keuschen

Die Geilheit bey den Räuschen

Sammt der Vermessenheit;

Viel Wein und geile Weiber

Seynd die Räuber

Der Weißheit und Andacht:

Enthalten macht

Gottsförchtig klug und weiß

Führt zu dem Paradeiß.

Ist er dann hin

Vielleicht gegangen

Wo man mit Spieß- und Stangen

Zum Tod geführet ihn?

Ach nein dann wo den Frommen

Wird genommen

Mit Unrecht Ehr und Gut

Sammt Schweiß und Blut

Wo es geht Jüdisch her

Da will nicht bleiben Er.

Wo wird Er doch

Dann seyn zu finden?

Ach sagt es der Clorinden

Die es verlangt so hoch!

Sagt mir mit wenig Worten

An was Orten

Er anzutreffen sey?

Auff daß ich frey

Der Sorg- und Kummers-Qual

Ihn finden mög einmal.

Nun merck' ich schier

Wo Er seyn werde

Nemlich bey seiner Herde

Die gar nicht weit von hier:

Er pflegt auff wilden Heyden

Nicht zu weyden

Will nur auff fettem Land

Wo allerhand

Gewürtz und Blumen stehn

Sich stäts zu weyden gehn.

Wie man erfahrt

Ihm doch vor allen

Die Lilien wohl gefallen

Wann sie von guter Art

Der wilden ist er aber

Kein Liebhaber

So Gilgen nur allein

Seynd nach dem Schein

Auswendig weiß wie Blust

Inwendig voller Wust.

Des Menschen Hertz

Ist sein Lustgarten

Wann es geblümt (von Arten

Der Tugend) wie der Mertz:

Da will Er seyn und bleiben

Kurtzweil treiben

In solchen Garten will

Er in der Still

In hoch-erwünschter Ruh'

Die Täge bringen zu.

Absonderlich

Wo die Gold-reine

Nicht allenthalb gemeine

Keuschheit befindet sich

Da pflegt er sich zu weyden

Ohne scheiden;

Da sammlet er gantz rein

Die Gilgen ein:

Da ist sein Bett geblümt:

Wie er sich dessen rühmt.

So will ich dann

Nun seyn beflissen

Mit Lilien und Narcissen

Mein Hertz zu füllen an:

Ich will an Tugend grünen

Zu verdienen

Daß ich der Garten sey

Allwo er frey

Ohn' alle Scheuh einkehr'

Zu scheiden nimmermehr'.