4. Ein Lied von dem himlischen Pelican/ Jesu Christo

By Johann Klaj

Written 1636-01-01 - 1636-01-01

Entbrenne du mein gantzes Ich

Was in mir ist ermuntre sich

Vnd dichte feine Weisen:

Den Pelican der sich zerritzt

Der seine Brut mit Blut besprützt

Soll meine Zunge preisen.

Auff! Auff!

Eil! lauff!

Ich will leiten

Reine Säiten

Sonder Zwingen:

Gott und Gottes Lob besingen.

Im Fall die Mutter nicht zu Hauß

Vnd etwan ist geflogen auß

Zu speisen jhre Jungen

Sticht die trugvolle Schlangenzucht

Deß frommen Pelicanens Frucht

Mit gifftgefülter Zungen

Zischet

Gischet

Was da lebet

Lebt und Webet

ümbzubringen;

Gott ich will dein Lob besingen.

So wann der alte Schuppenfeind

Am Häubte nichts zu schaffen meint

Wagt er mit tausend Listen

Sich an die Glieder groß und klein

An Adam Even ins gemein

An alle fromme Christen

Brennet

Rennet

Laufft und eifert

Speit und geifert

Zu verschlingen

Die mein Gott dein Lob besingen.

Die Mutter die sich hat verweilt

Vnd eilend wider Heimwarts eilt

Die komt und muß erbleichen

Die Frucht die sie kaum außgeheckt

Die hat der grimme Todt gestreckt

Das Nest ligt voller Leichen;

Sie zagt

Sie klagt

Klagt und wümmert

Sich bekümmert

Ob den Dingen

Gott ich will dein Lob besingen.

Nach dreyer Tagen Trawerzeit

Legt sie hinweg das schwartze Kleid

Vnd sich nicht ferner quälet

Zerhacket jhre zarte Brust

Auß welcher quilt der Lebensmust

Der jhre Frucht beseelet

Reget

Weget

Hebt die Flügel

üm die Hügel

Sich zu schwingen:

Gott ich muß dein Lob besingen.

So hat der nichts als böses stifft

Der Teuffel alle Welt vergifft

Geführet ins Verderben

Wir solten in der Höllenpein.

Verdamte Höllebränder seyn

Zwar sterben doch nicht sterben;

Sitzen

Schwitzen

Ob den Thaten

Teuffelsbraten

Vns vmbringen:

Gott ich will dein Lob besingen.

Wenn Christus nicht das höchste Gut

Mit seinem Rosenfarbnen Blut

Das unsre Sünde wäschet

Deß Teuffels Zorn und Vbermut

Der Höllen Pech und Schwefelglut

Am dritten Tag geleschet

Mächtig

Prächtig

Ihn gebunden

Vberwunden

In dem Ringen.

Gott mein Geist soll dich besingen.

Er Er der trawte Pelican

Der nam sich unser trewlich an

Die heiligen fünff Brunnen

Gegraben an deß Creutzes Stamm

Auß welchem vns das Leben kam

Durch sein Blut hergerunnen

Regnen

Segnen

Sündvergeben:

Heil und Leben!

Ich muß springen:

Gott und Gottes Güte singen.

Vnd wie wann nun der Pelican

Für Schwachheit nicht mehr fliegen kan

Vnd muß ermattet krancken

So machen sich die Kinder auß

Versorgen Eltern Kind und Hauß

Vor Leib und Leben dancken

Jagen

Tragen

Muscheln Fische

Zu dem Tische

Häuffig bringen.

Gott mein Geist soll dich besingen.

So ist mein Gott mein Hertz bereit

Auff Psalterspielen allezeit

Mein Ehre dich verehret

Daß du mich auß der Nächte Nacht

Gesund ans liechte Liecht gebracht

Von Wiegen an ernehret

Dein Blut

Mein Gut

Das mich tauffet

Tewr erkauffet

Muß erklingen:

Gottes Gut und Blut besingen.

Hab danck! hab danck! mein Pelican!

Ich geb dir wider was ich kan

Mein Leib mein Seel mein Leben

Vnd wann es einsten dir gefält

So führ mich auß der Threnen Welt

Hin wo die Engel schweben

Laß mich

Selig

Zu dir kommen

Mit den Frommen

Vmb dich springen

Gott dich ewig zu besingen.