4. FabelVon einem unglücklichen Bauer

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Ein Baur geht in die Stadt

Und weil er einen Bart von funfzig Ellen hat

So läßt er sich balbieren.

Ein junger Kerl der nicht die Kunst versteht

Kömt über ihn sein Messer zu probiren.

Er schiert daß Haar und Haut herunter geht.

Der Baur sang trefflich schön

Und muste sich zum Gelde doch verstehn.

Er kam hiernechst in einen Streit.

Ein junger Advocat war hier nicht weit

Sein Handwerck anzubieten.

Ob Kluge schon zu dem Vergleiche riethen:

So war der junge Rabulist

Doch so geschickt den Bauren zu betrügen.

Das Urtheil lief sehr schlecht; die Kunst war aus zulügen.

Ich weiß daß Hauß und Hoff darauf gegangen ist.

Der arme Baur verfiel in großen Kram

Daß über ihn ein starckes Fieber kam.

Ein junger Artzt der kaum so viele Lachen

Als Krancken je gehabt gieng selbst zu ihm ins Hauß

Er striche seine Pillen raus.

Das Fieber solte gleich vor seinem Pulver weichen.

Darneben war auch eine Gold-Tinctur

Die aus des Krancken Beutel fuhr.

Die Artzeney schlug trefflich an

So daß sich ietzt der Baur nicht mehr beklagen kan.

Diß dreyes kanst du nun an einem Weibe haben

Die jung und feurig ist galant, verthut und spielt

Die erstlich deine Krafft denn Gut und Ehre stiehlt

Und alle Qvaal ersinnt dich zeitlich zu begraben.