41.Aus Cap. III. v. 11.Gehet heraus und schauet an, ihr töchter Sion, den König ...

By Gottfried Arnold

Written 1690-01-01 - 1690-01-01

Ihr Sions-töchter, die ihr nicht

In Babylon mehr steht,

Und ohne falsches secten-licht

Dem einem lamm nachgeht:

Geht aus des alten Adams hauß,

Folgt jener mutter nicht,

Die ihre lieb vom bräutgam aus

Zur hurerey gericht!

Kehrt eures glaubens munterkeit

Zum Salems-König hin

Ihr wißt, wie sich sein hertz erfreut

An einem treuem sinn.

Was welt und feind dem fleisch vorlegt,

Das haltet nur vor koth:

Der kirch, die sich mit götzen trägt,

Seyd feind und gäntzlich todt.

Laßt euren leib gantz lichte seyn

Die lampen brennend stehn:

Das öl muß seyn bereit und rein,

Wollt ihr den bräutgam sehn.

Denn ist nicht hoch und wunderbahr

Die crone seiner pracht,

Die der erhöhten menschheit war

Zur herrlichkeit gemacht?

Wie schmückt ihn seine mutter nicht

Auff seinem hochzeit-tag?

Daran ihm keine freud gebricht,

Noch leiden, todt und schmach.

Wie trefflich war der grosse bund

Als ihm des Geistes krafft,

Nach dem er aus dem grab erstund,

Viel tausend segen schafft?

Der über seine glieder floß:

Wie frölich war sein sinn,

Als dieses öl den leib durchgoß

Und zog zum Vater hin?

Jerusalem, du mutter-stadt,

Daraus der Geist uns zeugt,

Und die uns aufferzogen hat,

Gepfleget und gesäugt!

Mehr immer deiner kinder zahl,

Und cröne Gottes sohn

Mit tausend cronen überal

Zu der erlösung lohn.

Wir freuen uns mit ihm zugleich,

So offt ein edelstein

Durch wahre buß ins liebe-reich

Zur cron gesetzt wird seyn.

Wir gehn heraus, und wollen nun,

Biß auff den hochzeit-tag,

In lieb, geduld und glauben ruhn,

Der uns vollenden mag.