44. Gott-Lobendes Frülings Lied

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Angenehme Frülings Zeit

Ebenbild der Ewigkeit

Spiegel künfftig-süsser Wonne

wie die klare See der Sonne!

Königin der Jahres-theile

schon-gekrönt mit Blumen Zier!

meine Feder setzt ihr für

dich zu rühmen in der Eile.

Gottes süsser Athem-Tufft

blies' aus deiner Bisen-Lufft

erste Tochter seiner Witze

seines schönen Wesens Blitze

all-verneutes Erden-Leben!

Fünklein seiner Lieblichkeit

die er dorten uns bereit!

Lufft in der die Freuden schweben!

Blumen-Adler Noha-Taub!

du bringst uns Erlaubnus-Laub

in die Neue Welt zu gehen.

Fönix der nun zu erstehen

aus des Winters Asche pfleget!

überschwänglich-süsse Lust!

alles Uberflusses Brust

welche Milch und Nectar heget!

Tugend-Freundin Weißheit-Ruh

Musen-Schwester! laß mir zu

meine ungestimmte Leyren

die schon lange Zeit must feyren

dich-erhebend' anzustimmen

und ein Liedlein dir zu Preiß:

zwar auff meine Bauren Weiß

die nicht Sternen-an kan klimmen

Safft aus Gottes Allmacht-qvell

strahle seiner Wunder-Seel

Krafft der unergründten Kräffte

schönstes Himmel-Lauffs geschäffte

Haupt-Ergetzung aller Sachen!

du bleibst von mir unerreicht

keine Macht noch Pracht dir gleicht.

kurz! du bist des höchsten Lachen.

Ich verlieb mich zwar in dich:

doch seh ich noch übersich.

Bist zwar schön: doch nur ein Schatten

künfftig-heller Wunder-Thaten.

Dorthin die Gedanken fanken

richten ihre Flügelfahrt.

Doch in dem ich der erwart

will ich Gott für diese danken.