45. Auf die blühenten Bäume

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ach du schönes weisses Feld

aller Jubel-Vögel Zelt

Frülings-Flor und Chor der Sänger

Himmel der spatzieren-Gänger!

ich kan unterlassen nicht

dir zu richten meine Pflicht.

O du schöner Perlen-Baum

die halb aufgeschlossen kaum!

Zephir-Zucker Schnee vom Biesen!

Gipffel-Lilgen Stamm-Narcissen!

alle Gleichnus gleicht dir nicht:

deine Zier viel höher sticht.

Schlossen-weisse Hoffnungs-Heerd

die berühret keine Erd!

Schwanen-Schaar die nicht in Seen

sondern auf den Aesten stehen

du lobst ohne Zung' und Mund

unsern Gott aus innern Grund.

Kreiden-weisses Blüh-Papier!

auf dich wird des Schöpffers Zier

sich durch schwarze Kirschen schreiben

und die Süssheit einverleiben.

Jedes Blätlein ob schon stumm

laut bekennet seinen Ruhm.

Meine Feder schwinget sich

setzte dieses Lied in dich.

Gottes Ruhm soll durch mein schreiben

ewiglich in dir verbleiben

in dir in die Fruchtverkehrt:

daß der Höchste werd geehrt.

Lob sey hier der Blüte Stern;

Ruhm und Preiß der Kirschen Kern:

daß daraus ein Stamm aufschiesset.

aus der Dankbarkeit entspriesset

alles Segens Safft und Krafft;

sie erweicht den Gnaden-Safft.

Weis' und weisse Kunst-gespunst

klares Stern-Geweb' und Kunst!

Schleyer dessen zarten Faden

spunnen Göttliche Genaden!

mich ergetz dein Blühgestalt

biß dich Gott mit Früchten mahlt.