46. Auf Gottes Wunder-Beglückung
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Schöne Sonn noch schöners Glück
allerschönste Gottes Gnade
ich spür' eure holden Blick
und verhoffe das Gestade
und den Hafen meiner Gier
nach verlangen zu erlangen.
Ach wie wird mein Herze prangen
wann es schwebt in solcher Zier.
Bauen sich schon Wolken auf:
ey es pflegt doch nicht zu regnen.
wie verwirrt der Erden Lauff
läst er doch nit ab zu segnen
seine Freund mit Schutz und Sieg:
müssen in dem Kirchen-Kasten
in der Flut-Entbärung rasten
haben Fried' und Ruh' im Krieg.
Es ist ja die Rohte Flut
seiner Wunder Spiegel-Eise
ach er meynt es allzeit gut!
auch in höchster Prüfungs-Weise.
Wann er wegert scherzt er nur
pflegt die Hülffe zu bereiten.
In den Welt-Begebenheiten
spürt man seiner Warheit Spur.
Ach du weiser Wunderbar?
wer wolt dir nicht alls befehlen?
wer wolt dich nicht ganz und gar
zum Schatz Schutz Schild Held erwehlen?
deine Weißheit weiß die Zeit
und dein Allmacht schickt die Sachen
deine Gnad kan alles machen
dir zu Lob und uns zur Freud.
Wie der Perlen- Fischer muß
an dem Grund die Muscheln fassen
und versenkter in den Fluß
ihm die Augen binden lassen:
also will in Gottes Macht
ganz und gar ich mich versenken;
seine Weißheit wird mir schenken
einen Sieges-Perlen-Pracht.
Ich ich will Vernunfft-geblendt
mich in Gottes Güte wagen
und verhoffend beede Händ
voller Wunder Frücht her tragen:
will auf meinen Stern auf Gott
Nadel Herz und Augen richten
ihn zu Hülff und Trost verpflichten.
Noht hat glaubend keine Noht.
Torheit wär es solche Werk
Menschlich ohne Glauben glauben.
Dieser Gott-beherrschungs-Stärk'
ist erlaubt das Wunder-rauben:
kan erlangen was sie will
ja Gott selbst ins Herze greiffen.
Biß die Glaubens-Früchte reiffen
bin ich frölich hoffend-still.