46. Die schönen grauen Haare.

By Hans Aßmann von Abschatz

Du klagest dich warum? weil dir so früh Melinde

Durch deiner Haare Gold manch Silber-Faden sticht:

Weil sich der kalte Schnee um deine Scheitel flicht

Da noch des Sommers Brand erhitzet deine Gründe:

Ich nicht: indem ich noch die alte Glutt empfinde

Ob schon der kühle Reiff aus deinen Schläffen bricht

Mein heißes Athem-ziehn und Seufftzen kühlt sich nicht

Weist dein Gebirge gleich das Zeichen kalter Winde.

Weiß Haar zeigt weißen Sinn und krönt ein kluges Haubt.

Damit der Augen Sonn’ ein Himmel sey erlaubt

Sieht man ein graues Haar gleich Wolcken ob ihr prangen.

Drum sag ich offtermahls: Ihr angenehmen Wangen

(verwundert übers Haar das keinem Schnee giebt nach )

Hier deckt den Rosen-Stock ein weisses Liljen-Dach.