49. Auf die Geistes-Erleuchtung
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
O Klareste Sonne! wer wolt dich nit kennen
wer wolte nicht völlig erleuchtet sich nennen?
wann Schöne du scheinest mit feurigen Blick
versicht sich das Herze auf hoffendes Glück.
die Warheit selbst schreyet:
bitt was ihr verlanget
auf daß ihr empfanget
was völlig euch freuet!
ich habe gebetten:
nun will ich hintretten
im Glauben weil Christum sein Zusag nit reuet.
O herrliche Herrlichkeit glaubiger Herzen
die glaubend verlieren all plagende Schmerzen!
durch Glauben würkt Glaube ein völliges Werk
im Glauben und Glaubigen Göttliche Stärk.
Die Glaubigen ehren
mit Allmacht-bekennen
und Liebes-Brunst-brennen
den ewigen HERREN.
Sein Gnade sie weisen
sein Wunder sie preißen
sein Glori Lob' Ehr und Preiß herrlich vermehren.
Wann Gölden und Perlene Bächlein entsprüngen
und nahend von eurer Behausung hindrüngen
ihr würdet bald völlig sie leiten hinein
voll Freuden voll Jauchzen des Sieges halb seyn!
die Gnaden-Gold-Flüsse
sich häuffig erzeigen:
ihr könnet sie neigen
zu eurem gentesse.
Der Glaube kan machen
daß jedliche Sachen
den Frommen zu Frieden und Ehren ersprießen.