4Winterabend

By Gottfried Keller

Written 1846-01-01 - 1846-01-01

Schneebleich lag eine Leiche, und es trank

Daneben ein Geselle unverdrossen,

Bis endlich ihm der Himmel aufgeschlossen

Und er berauscht zu ihr aufs Lager sank.

Von rotem Wein den Becher voll und blank

Bot er dem Toten; bald war übergossen

Das Grabgesicht und purpurn überflossen

Das Leichenhemd; so trieb er tollen Schwank.

Die trunkne rote Sonne übergießt

Im Sinken dieses schneeverhüllte Land,

Daß Rosenschein von allen Hügeln fließt.

Von Purpur trieft der Erde Grabgewand:

Doch die verblaßte Leichenlippe schließt

Sich kalt und starr des Sonnenbechers Rand.