5. Abendlied

By Johann Klaj

Written 1636-01-01 - 1636-01-01

Die Sonn hat sich verkrochen

der müde Tag ist hin

die Nach ist angebrochen

die Sorgenlinderin

die Weld hat angeleget

jhr düsterschwartzes Kleid

kein Baum ist der sich reget

in Wäldern weit und breit.

Die liechtbeflammten Sternen

das blancke Heer der Nacht

die lernen uns von fernen

die starcke Vaterwacht

mein Gott mit meiner Zungen

hat mein geweckter Geist

dich heute früh besungen

Dich und dein Lob gepreist.

Jetzt rühmet deine Güte

mein Loberfülter Mund

auß brünstigem Gemüthe

in dieser Abendstund

Dir wil ich Opfer bringen

mit diesen schlechten Thon

laß mein Gebete dringen

durch deinen Wolcken Thron.

Du hast mir zugeschicket

der heilgen Wächter Wacht

daß mich kein Strick bestricket

kein Fall zu fall gebracht

Freud Feinde Neider Hasser

kein Mensch hat mich beschwert

Lufft Feuer Erde Wasser

nichts nichts hat mich gefährt.

Was ich in Ambtsgeschäfften

geschafft hast du geschafft

Du giebest meinen Kräfften

Krafft höchstgefürchte Krafft

Du Weg mein Weg deß Lebens

Du meines Heiles Heil

Du Segen meines Segens

deß Erbes Erbetheil.

Jetzt leg ich mich nun nieder

zur angenehmen Ruh

jetzt rasten meine Glieder

die Fenster fallen zu

Ich lege Händ und Füsse

fein Creutzweiß unbetrübt

das ist mein Ruheküsse:

Also hat Gott die Welt geliebt.