5. Clorinda betrachtet in ihrer Kleinmühtigkeit die so vielen grossen Sündern er...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Ach Daphnis zörne nicht so sehr

Laß deinen Grollen sincken

Laß' mich nicht in dem tieffen Meer

Der Traurigkeit ertrincken!

Dein bleicher Zorn dringt wie ein Dorn

Mir scharff und tieff zu Hertzen

Brennt ungeheur gleich wie ein Feur

Macht unerhörte Schmertzen.

Gedencke deiner Gütigkeit

Nicht meiner schwären Sünden

Sey länger nicht mit mir entzweyt

Laß' mich Gnad bey dir finden

Was hilfft es dich wann du schon mich

Zur Höll hinunter plitzest?

Schlagst du schon zu im Himmel du

Nicht desto höher sitzest.

Du zörnest zwar unbillich nicht

Dein Straffen ist zu loben

Dem deine Hand den Halß zerbricht

Hat Ursach nicht zu toben

Mehr aber wirst ô Himmels-Fürst

Der zarten Lieb gepriesen

Und dir viel mehr Danck Lob und Ehr

Der Güte halb erwiesen.

Es reute dich ja selbst der Rach

Dort Genesis am achten

Als du wie daß der Mensch so schwach

Beginntest zu betrachten

Du sagtest dort ich will hinfort

Die Sündfluth nicht mehr schicken

Warumb dann soll ich Thränen-voll

In meinem Läid ersticken?

Der den Urias wider Recht

Und Billichkeit entweibet

Ja ohne Schuld in dem Gefecht

Mit fremmder Hand entleibet

Der könnte stracks ( ô Plitz von wachs)

Die Huld von dir erpressen

Mit einem Kind wurd' seine Sünd

Vergraben und vergessen.

Als Roboam dein ärgster Feind

Drey Wörtlein nur gesprochen

Da wurd' er schon dein bester Freund

Als hätt er nichts verbrochen

Kaum sagt' Er schlecht: Gott ist gerecht:

Und seufftzte was beyneben

Da war' ihm schon der Spott und Hon

So er dir thät' vergeben.

Manasses noch ein junger Knab

Schon deines Namens Spötter

Hat sich von dir gezogen ab

Verehrt die falsche Götter

Zu solcher That so gar auch hat

Dein gantzes Volck gemüsset

Doch hat er mit geringer Bitt

Dein bitters Hertz ersüsset.

Was hast du wegen Ninive

Nicht für ein Lob bekommen

Als du es nach entwehntem Weh'

Zu Gnaden auffgenommen?

Man preiset hoch ja heute noch

Deßwegen deinen Nammen

So nicht gescheh' wann du es gäh

Gestrafft mit Schwerdt und Flammen.

Wie schlecht hast dich alldorten nicht

An jenem Weib gerochen

Die man gebracht für dein Gericht

Als sie die Ehe gebrochen?

Du sagtest nur (ô Sünden-Cur)

Geh' bessere dein Leben

Die Sünd ist dir weil niemand hier

Der dich verdamm' vergeben.

Viel wird zwar von Gottlosigkeit

Der Sünderen gelesen

Ist niemand doch so gar verschreyt

Wie Magdalen gewesen

Doch wurde sie ohn' alle Mühe

Mit deinem Zorn versöhnet

Indem sie suß nur deine Füß

Umbfangen und bethränet.

Der Schächer der im Menschen- Blut

Offt seine Händ gewaschen

Der viel im Wald gefischtes Gut

Gesteckt in seine Taschen

Der böß gethan von Jugend an

Biß daß er müßte hangen

Sagt' nur allein: Gedencke mein:

Drauff hast du ihn umbfangen.

Der Jünger dem du sonderbar

Geneigt und wohl bewogen

Den du den andern immerdar

Hast mercklich vorgezogen

Der hat hernach zu deiner Schmach

Dich dreymahl frech verneinet

Doch war' die Schuld verkehrt in Huld

So bald er heiß geweinet.

Maria, ein' berühmte Dam,

Gebürtig aus Aegypten

Ein freche Lais ohne Scham

Ein schaum der Geyl-verliebten

Hat bey dir Gnad im höchsten Grad

Durch nasse Reu erworben

Drauff heilig sehr zu deiner Ehr

Und meinem Trost gestorben.

Theophylus, als er dort war'

Entsetzet seiner Ehren

Hat dörffen dich ô Gott so gar

Verfluchen und verschwören

Indem sich er dem Lucifer

Mit Leib und Seel verschrieben

Doch hat er mit Maria Bitt

Dich zu der Huld getrieben.

Du sagst bey Isaia rund

Wer sich nur wöll' bekehren

Dem wöllest du zu keiner Stund

Die Gnaden-Thür versperren

Wann seine Sünd und arge Fünd'

Schon roth wie Scharlach wären

So wilst du wie Baumwollen sie

Und neuen Schnee erklären.

David hat deine Gütigkeit

Sehr hoch herfür gestrichen

Als konnt' in deiner Wesenheit

Ihr werden nichts verglichen

Kein Eigenschafft hab solche Krafft

In äusserlichen Wercken:

Soll dieses nicht die Zuversicht

In mir ô Daphnis, stärcken?

Wann schon ein Kind den Vatter hat

Zum öffteren betrübet

Aus Boßheit manche Missethat

Zu seiner Schmach verübet

So bald es sich demühtiglich

Einstellt mit Reues-Zeichen

Laßt er sein Hertz wann es von Aertz

Schon wäre doch erweichen.

Das zeuget der verlohrne Sohn

Der alle Gnad erworben

Ob er in Sünd- und Lastern schon

Schier allerdings erstorben

Er sagt allein ach Vatter mein

Ich hab gesündigt läider!

Da wurden an Ihm stracks gethan

Die Gnad- und Ehren-Kleider.

O Gott du bist mein Vatter ja

(Will Bräutigam nicht sagen)

Seh' an wie ich bereuet da

Schier will in Läid verzagen

Ich muß vergehn mit Magdalen

In heiß- geweinten Thränen

Wilst du als Stein dann härter seyn

Und mich dir nicht versöhnen?

Ach bleibe mir nicht länger gram

Halt' ein den Zornes-Besen

Gedencke daß mein Bräutigam

Du bist zuvor gewesen:

Wann du mich recht und nicht nur schlecht

Geliebt vor meinen Sünden

Wird meine Reu dich auff das neu

Ja leicht mit Lieb entzünden.