5. Clorinda bewäinet ihre Sünde/ und fühlet allgemach die Süßigkeit des himmlisc...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Meine Augen
Die voll weicher Perlen stehn
Mir nun taugen
Nach des Daphnis Gnad zu gehn:
O ihr Thränen
Fliesset häuffig früh und spaht
Zu versöhnen
Meiner Sünden Missethat.
Agar wäinte
Umb den lieben Ismaël,
Daß sie scheinte
Auffzugeben ihre Seel
Sie verzagte
Schier um ihr tod-schwaches Kind
Aber klagte
Ihre Plag dem lähren Wind.
Von dem Brunnen
Vieler heisser Zähern war'
Uberrunnen
Jacobs Leib fast immerdar
Ihn bekränckte
Sein verlohrner Joseph hart
Schier vertränckte
In den Thränen seinen Bart.
Das verbeinte
Gottloß Israëliter-Volck
Dorten wäinte
Wie ein ausgebrochne Wolck
Ihre Thränen
Flossen nach Aegypten-Land
Nach dem schönen
Knoblauch-reichen Ubelstand.
Als durch Flammen
Wie ein dürres Holtz-Gehäg
Dort zusammen
Eingefallen Siceleg,
Wäinte kläglich
David sammt dem gantzen Heer
So unsäglich
Daß kein Zäher übrig mehr.
Heisse Zäher
Hat mit grossem Läid beschwärt
Der Vorseher
Hieremias ausgelährt
Als vor Zeiten
Er der Stadt Jerusalem
Müßt andeuten
Ihre Blut- und Thränen-Schwemm.
Gantze Bäche
Wäinte David auch so gar
Als der freche
Absolon erstochen war'
Weil er wüßte
Daß sein Gott-vergeßner Sohn
Büssen müßte
In dem tieffen Acheron
Ohn' auffhören
Wäinte Petrus immerfort
Zu verstöhren
War' er auch an keinem Ort
Endlich haben
Ihm die Thränen eine Furch
Auffgegraben
Durch die Wangen durch und durch.
Der gezierte
Wunden-Träger von Assis
Offt verliehrte
Sein Gesicht durch Thränen-Güß!
Er bewäinte
Daphnis Tod so schmertzlich sehr
Daß er scheinte
Zu zerrinnen in ein Meer.
Diese Thränen
Möcht ich ihnen allzumal
Abentlehnen
Zu versencken meine Qual:
Gantz zerfliessen
Müßte auch so gar mein Hirn
Wasser giessen
Wie des Wassermanns Gestirn.
Ich will wäinen
Wie ein Mutter-loses Kind;
Mit der reinen
Fara werden endlich blind
Die erblinden
Lieber wolt' aus grosser Scham
Als verbinden
Sich mit einem Bräutigam.
Meine Glieder
Sollen trieffen immerdar
Dem Geschlüder
Gleich von angefangnem Jahr;
Meine Wangen
Sollen von der Sünd beschämmt
Wegen langen
Wäinens werden überschwemmt.
Ich will machen
Mir ein eignes Thränen-Teich
Und verlachen
Den Neptun in seinem Reich
Will im tieffen
Augen-Wasser watten her
Also trieffen
Als wann ich die Thetys wär.
Satte Thränen
Wird mir geben meine Reu
Zu versöhnen
Mich mit Daphnis auff das Neu:
Wann ich meine
Sünd' und Daphnis Lieb bedenck
Ich umb keine
Thränen-Armuth mich bekränck'.
O ihr Sünde
Billich muß ich hassen euch
Dann ich finde
Daß ihr seyt ein' böse Seuch:
Ach wie schmertzet
Ihr das Hertz so euer frey
Recht behertzet
Was da Gott erzörnen sey.
Auff die Freuden
Bald verschlucktes Linsen-Muß
Folgt das Leyden
Einer lang- und harten Buß:
Esau büßte
Seine kurtze Wollust lang;
Der versüßte
Apffel macht uns allen bang.
Doch ihr Büsser
Allen Schrecken von euch leint
Dann viel süsser
Ist die Buß als man vermeint:
In der herben
Schelffen ist ein süsser Kern:
Trost erwerben
Die mit Daphnis leyden gern.
Was man liebet
Ob es schon sehr hart und schwär
Nicht betrübet
Wann es selbst der Tod auch wär':
Edle Ritter
Haben in dem Streit nur Lust
Alles bitter
Ist Liebhabern unbewußt.
Ey so fliesset
Stäts ihr meine Augen beyd'
Dann versüsset
Wird dardurch mein Hertzen-Läid:
Herbe Thränen
Werden durch die Hoffnung süß
Helffen denen
Die gefallen auff die Füß.
Von dem Wäinen
Will ich nimmer lassen ab
Biß ich meinen
Daphnis gantz versöhnet hab:
Will erträncken
In den Thränen meine Sünd'
So versencken
Daß auch Gott sie nicht mehr find'.