5. Clorinda die Schönheit ihres himmlischen Bräutigams betrachtende/ befindet/ d...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Hinweg mit allem Pracht

Der menschlichen Schönheiten

Weil all ihr Glantz

Nichts ist als eine Nacht

Von den Gebrechlichkeiten

Verfinstert gantz;

Wo Daphnis zeigt sein Angesicht

Besteht so gar auch Phœbus nicht.

Vor seiner Schönheit muß

Der tolle Turnus weichen

Alexis ist

Nur gegen ihm ein Ruß

Der Tamyras desgleichen

Nur Kaht und Mist:

Der schöne Käiser Friderich

Vor ihm muß weit verkriechen sich.

Des Josephs Leibs-Gestalt

Ein Wunder in Aegypten

So lieblich war'

Daß ihne manigfalt

Die Heyden selbst auch liebten

Und also zwar

Daß er zur Unehr offt begrüßt

Gar mit der Flucht sich schützen müßt.

Es ware Jonathas

Mit edlen Schönheit-Gaaben

Beglückt so zart

Daß ihn' ohn' Underlaß

Die Menschen wolten haben

In Gegenwart:

Als welcher in dem Schönheit-Streit

Die Weiber übertroffen weit.

Es ist ja Absolon

Schier gar ein Gott gewesen

An Leibs-Gestalt

Wann ihn Timanthes schon

Ein Künstler auserlesen

Hatt' abgemahlt:

So hätt' er seine Schönheit doch

Nicht wie sie war' gebracht so hoch.

Adam, das Meisterstück

Selbst eigner Händen Gottes

War' also schön

Daß Hyas weit zuruck

Als nur ein bleich- und todtes

Bild müßte stehn:

Wie solte Gott selbst haben nicht

Gemacht das schönste Angesicht?

Doch waren diese all'

Nichts als farblose Schatten

Ohn allen Schein

Die gegen dem Crystall

Ein solche Gleichheit hatten

Wie Kisel-Stein;

Wie scheinend Holtz bey dunckler Nacht

Zu dem gantz vollen Sonnen-Pracht.

Daphnis, des Höchsten Sohn

Ist weit der Schönste under

Der Menschen Zahl

Ab welchem Sonn und Mond

Erstaunen gantz vor Wunder

Am Sternen-Saal;

Er ist das wahre Liecht allein

So allen andern gibt den Schein.

Er ist das Freuden-Licht

Dem stäts die Flügel-Knaben

Seynd zugethan

Als wessen Angesicht

Sie groß Verlangen haben

Zu schauen an:

In welchem auch insonderheit

Gegründet ihre Seligkeit.

Mein Liebster roht und weiß

Hat mir mein Hertz verletzet

So daß auff ihn'

Ich nun mit höchstem Fleiß

All meine Lieb gesetzet

So lang ich bin

Er ist allein dem ich vermähl'

Auff ewig mein' verliebte Seel.

Er ist viel weisser als

Der Schnee so erst gefallen

Zu Winters Zeit;

Es muß der Esther Hals

Gezieret mit Corallen

Ihm weichen weit

Dann er ist seines Vatters Glantz

Und Bildnuß so ihm ähnlich gantz.

Weiß ist Er von Unschuld

Weiß von der allerhöchsten

Leibs-Reinigkeit

Bey welchem sich der Huld

Ein jeder kan getrösten

Der allbereit

Schon ihm die Reinigkeit auffweißt

Derselben oder sich befleißt.

Roht ist Er von der Lieb

So Er den Dritten wehend

Zum Vatter trägt

Roht: wann er Kummer-trüb

Offt einer Seel nachgehend

Sie nichts erhägt.

Roht: weil er mit erhitztem Muht

Für uns vergossen all sein Blut.

Er ist der schön geziert

In rohten Kleidern pranget

Von Bosra her

Der sich im Läid verliert

Wann man der Welt anhanget

Gantz Tugend-lähr;

Er ist der sich (vor Lieb gantz roht)

Für uns gegeben in den Tod.

Drumb ist er auserwehlt

Vor allen Menschen-Kindern

So je gelebt:

Den man hoch billich hält

Weil er weit von den Sündern

Von Gott erhebt;

Dann er von schöner Lieb erhitzt

Nun zu des Vatters Rechten sitzt.

Wer wolte ihn dann nicht

Vor aller Welt erwehlen

Der also schön

Daß auch die Sonn ihr Liecht

Vor ihme muß verhölen

Und dunckel stehn?

Wer einen solchen Bräutigam

Nicht liebt verflucht er ist als Cham.

Ich will der Chloris gern

Den Neleûs überlassen

Mit ihm nur fort:

Die Phyllis heur und fern

Mag auff den Liebsten passen

Betrübt alldort.

Ich lasse gern Caßiope

Mit Cepheûs tretten in die Eh'.

Nun fort mit euren schon

Verfaulten Staub und Aschen.

Liebt immer sie

Umb einen Coridon,

Der sterblich werd' ich waschen

Die Wangen nie:

Daphnis mein eintzige Begierd

Auff ewig mich erfreuen wird.

Wie muß man förchten nicht

Bey wahrer Lieb das Scheiden

Ohn' Underlaß

So daß offt schier zerbricht

Das Hertz indem stäts beyden

Die Augen naß:

Coresus, und Calirrhoë

Bezeigen uns des Scheidens-Weh'.

So will dann lieben ich

Nichts was da ist zerstörlich

Auch übernacht

Nichts: was nur schmertzlich mich

Betrübt und unauffhörlich

Erseufftzen macht:

Will lieben der mich ewig liebt

Und durch kein Scheiden mehr betrüb'.