[5] Die fünffte SatyreDie Großmuth im Glück und UnglückFußnoten

By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Written 1676-01-01 - 1676-01-01

Ein hoher Sinn, der nur nach seinem Ursprung schmeckt,

Und sich nicht in den Schlamm der Eitelkeit versteckt,

Kan, was der Pöbel sucht, mit leichter Müh vergessen.

Dem Weisen ist sein Vaterland die Welt.

Er bleibet unbewegt, wenn alles bricht und fällt,

Und will sein Glück nach nichts, als seiner Freyheit, messen.

Es kan ein solcher Mann sich an sich selbst vergnügen.

Hat ein gekröntes Haupt ihm etwan wohl gewollt,

Ist ihm das Vatikan, der Tugend wegen, hold,

Ja, will ein Friedrich selbst, nach seinem Urtheil, kriegen;

So wird er doch von Kron und Purpur nie bethört,

Kein Wechsel kommt, der sein Gemüthe stöhrt.

Drum, kehrt das Glück ihm endlich gleich den Rücken,

Kan er dennoch mit eben dieser Hand,

Die gantzer Länder Zinß zur Pracht hat aufgewandt,

In Demuth und Gedult, sich selbst die Hosen flicken.

Sein Hof wird ihm ein Hof; sein Acker, seine Freude;

Ein finstrer Tannen-Wald sein Pomerantzen Haus;

Der Heerde theilet er alsdenn die fette Weide,

Wie sonst dem Krieges-Heer, mit treuer Sorgfalt aus.

Der Fürwitz treibt ihn nicht, viel neues mehr zu wissen,

Als was sein Meyer bringt. Er kehrt sich wenig dran,

Wer dort in einer Schlacht zu Boden wird geschmissen,

Wenn er in Sicherheit die Garben binden kan.

Ist ihm nicht mehr vergönnt, zu küssen eine Docke,

Die ihre freche Stirn mit Thürmen überhäufft,

So thuts ihm ja so wohl, wenn er nach einer greifft,

Mit schlecht-geflochtnem Haar und aufgeschürtztem Rocke.

Wenn ihn zuweilen auch ein kleiner Kummer drückt,

Wird er nicht weniger entzückt,

So bald der Dudel-Sack in seiner Schencke klinget,

Als wenn Bellerophon von seiner Liebe singet;

Und kan er nicht ein blanc mangé

Noch auch Linguattole

Auf seiner Taffel haben,

So wird er sich an Glomms und an Pomocheln laben.

Nun, edles Preussen du, du kriegst so einen Gast,

Den du gewiß zu lieben Ursach hast.

Du bist beglückt, dieweil du ihn gebohren,

Beglückter, daß er dich zum Ruh-Platz auserkohren,

Worinn er, was sein Geist an Schätzen bey sich trägt,

Als in der Mutter Schooß, verwahrlich niederlegt.

Das Land von Mancha mag sich immerhin erheben,

Daß, nach vollbrachtem Ritter-Spiel,

Dort Don Kischot beschloß den Rest von seinem Leben;

Sein Ruhm gilt lange nicht so viel,

Als daß ein Curius zuletzt, nach grössern Siegen,

Auf deinem Heerde sich mit Rüben will vergnügen.

Sprichst du: Was hilfft es mich, ein Landes-Kind zu ehren,

Das von dem Hofe weicht, wenn es mich schützen soll.

Und keinen Schoß kan von den Hufen kehren?

Ach, Preussen, denck! Perkun, Potrimpos und Pikoll,

Die thaten auch, bey jener heilgen Eichen,

Vor dem nicht immer Wunder-Zeichen,

Da sie dein Opffer-Holtz doch offt berühret hat.

Dein Held vermag so viel, als sie, mit Rath und That.

Drum schicke dich, wie er, ins Glück und in die Zeiten,

Und öffne Thor und Hertz, den Einzug zu bereiten.