5.Deß Herren Christi Todes-Angst vnd Blut-Schweiß in dem Oelberg
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Ihr Hertzen: voll von Sünden
Die grimme Schuld' ansteckt.
Die böse Lüst entzünden
Die ihr den Zorn erweckt
Der schon mit Schwefel-Regen
Vnd lichter Blitzen macht
Vnd harten Donnerschlägen:
Auff eurem Haupt erkracht.
Schaut wie das Leben zage
Ob eurer Laster Last
Wie sehnlich Jesus klage
Vnd wie die Stärck erblasst.
Wie wolt ihr doch bestehen
Vor Gottes Richter-Thron!
Wenn schier in Angst vergehen
Wil sein Gerechter Sohn?
Er heisst die Jünger wachen
Auff einem Ort' allein:
Vnd bey so schweren Sachen
Mit beten embsig seyn:
Doch Zebedeus Kinder
Vnd Petrum führt Er mit:
Bald bebet für vns Sünder
Sein freudenreich Gemüth
Ach! spricht Er! Furcht vnd Schmertzen
Dringt häuffig zu mir ein
Die Krafft in meinem Hertzen
Verschwindt' in Todes Pein.
Bleibt munter hier; Ich gehe
Zu klagen meine Noth
Die Angst in der Ich stehe
Dem Allmacht-vollen Gott.
Da Er von Ihnen kommen
Schier einen Steinwurff weit
Fällt Er gantz eingenommen
Von überschwerem Leid
Auff sein Gesicht zur Erden
Der sonst die gantze Welt
Vnd was Er ie hieß werden
In festem Stand erhält.
Ach! Schöpffer aller Sachen;
Ach Vater fäng't Er an:
Dem wenn Er was wil machen
Nichts widerstehen kan.
Ists möglich das dein schlissen
Sonst' außzuführen sey
Als durch mein Bluttvergiessen
So sprich deß Kelchs mich frey.
Doch nicht nach meinem bitten
Nach deinem Willen thu:
Schick eh der Hellen wütten
Auff diese Seele zu
Zeuch Schwefellichte Flammen
Ruff' Ewig-Ach vnd Weh
Eh' über mich zusammen
Als nicht dein Rath fortgeh.
Bald weckt Er seine Schaaren
Vnd sprach dem Simon zu
Köñt' ihr so sicher fahren
Wilst du die süsse Ruh
Nicht eine Stund auffschieben?
Ach wacht vnd schreyt zu Gott!
Den Geist mag nichts betrüben
Dem Fleisch graut vor dem Tod!
Er gieng mit mattem Hertzen
Vnd schrey zum andernmal
Sol Ich den Kelch voll Schmertzen
Voll Wermuth-herber Qual
Voll Jammers gantz außtrincken
Mein Vater so besteh
Dein weises Gut-Bedüncken!
Dein nicht mein Wuntsch ergeb!
Die Jünger mochten eben
Vor fauler Traurigkeit:
Die Augen kaum erheben
Drumb eilt in solchem Leid
Der Herr für Gott zu treten
Kans sprach er Vater seyn
Was ich so hoch gebeten:
Erlaß mich dieser Pein.
Biß auff so sehnlich klagen
Ein Engel ihn erblickt;
Vnd seyn in grimmen Zagen
Beklemmtes Hertz erquickt:
Doch hilt Er an mit bitten
Der nun in höchstem Zwang
Beb't ob der Hellen wütten
Vnd mit dem Tode rang.
Sein Blutt das durch die Glieder
Schwitzt vnd die Wangen netzt
Vnd vmb die Augenlieder
Sich Tropfenweiß ansetzt
Troff dichter auff die Erden.
Was Gott vermaledeyt
Wird rein vnd fruchtbar werden
Weil dieser Tau es weyht.
Als er in dessen innen
Das Feind vnd Waffen nah
Vnd schon das Mord-beginnen
Deß Ertztverräthers sah;
Weckt Er die in dem Garten;
Auff! liebsten Jünger auff
Itzt ists nicht zeit zu warten
Dort kommt der Sünder Hauff'.
O wahre Freud! O Leben
In dem mir ewig wol!
Wenn ich die Welt begeben
Vnd vor Gott treten sol;
So hilff mirs frölich wagen
Auff den Angst-Schweiß allein
Dein jammervolles Zagen
Laß mein' erquickung seyn.