5.Deß Herren Christi Todes-Angst vnd Blut-Schweiß in dem Oelberg

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Ihr Hertzen: voll von Sünden

Die grimme Schuld' ansteckt.

Die böse Lüst entzünden

Die ihr den Zorn erweckt

Der schon mit Schwefel-Regen

Vnd lichter Blitzen macht

Vnd harten Donnerschlägen:

Auff eurem Haupt erkracht.

Schaut wie das Leben zage

Ob eurer Laster Last

Wie sehnlich Jesus klage

Vnd wie die Stärck erblasst.

Wie wolt ihr doch bestehen

Vor Gottes Richter-Thron!

Wenn schier in Angst vergehen

Wil sein Gerechter Sohn?

Er heisst die Jünger wachen

Auff einem Ort' allein:

Vnd bey so schweren Sachen

Mit beten embsig seyn:

Doch Zebedeus Kinder

Vnd Petrum führt Er mit:

Bald bebet für vns Sünder

Sein freudenreich Gemüth

Ach! spricht Er! Furcht vnd Schmertzen

Dringt häuffig zu mir ein

Die Krafft in meinem Hertzen

Verschwindt' in Todes Pein.

Bleibt munter hier; Ich gehe

Zu klagen meine Noth

Die Angst in der Ich stehe

Dem Allmacht-vollen Gott.

Da Er von Ihnen kommen

Schier einen Steinwurff weit

Fällt Er gantz eingenommen

Von überschwerem Leid

Auff sein Gesicht zur Erden

Der sonst die gantze Welt

Vnd was Er ie hieß werden

In festem Stand erhält.

Ach! Schöpffer aller Sachen;

Ach Vater fäng't Er an:

Dem wenn Er was wil machen

Nichts widerstehen kan.

Ists möglich das dein schlissen

Sonst' außzuführen sey

Als durch mein Bluttvergiessen

So sprich deß Kelchs mich frey.

Doch nicht nach meinem bitten

Nach deinem Willen thu:

Schick eh der Hellen wütten

Auff diese Seele zu

Zeuch Schwefellichte Flammen

Ruff' Ewig-Ach vnd Weh

Eh' über mich zusammen

Als nicht dein Rath fortgeh.

Bald weckt Er seine Schaaren

Vnd sprach dem Simon zu

Köñt' ihr so sicher fahren

Wilst du die süsse Ruh

Nicht eine Stund auffschieben?

Ach wacht vnd schreyt zu Gott!

Den Geist mag nichts betrüben

Dem Fleisch graut vor dem Tod!

Er gieng mit mattem Hertzen

Vnd schrey zum andernmal

Sol Ich den Kelch voll Schmertzen

Voll Wermuth-herber Qual

Voll Jammers gantz außtrincken

Mein Vater so besteh

Dein weises Gut-Bedüncken!

Dein nicht mein Wuntsch ergeb!

Die Jünger mochten eben

Vor fauler Traurigkeit:

Die Augen kaum erheben

Drumb eilt in solchem Leid

Der Herr für Gott zu treten

Kans sprach er Vater seyn

Was ich so hoch gebeten:

Erlaß mich dieser Pein.

Biß auff so sehnlich klagen

Ein Engel ihn erblickt;

Vnd seyn in grimmen Zagen

Beklemmtes Hertz erquickt:

Doch hilt Er an mit bitten

Der nun in höchstem Zwang

Beb't ob der Hellen wütten

Vnd mit dem Tode rang.

Sein Blutt das durch die Glieder

Schwitzt vnd die Wangen netzt

Vnd vmb die Augenlieder

Sich Tropfenweiß ansetzt

Troff dichter auff die Erden.

Was Gott vermaledeyt

Wird rein vnd fruchtbar werden

Weil dieser Tau es weyht.

Als er in dessen innen

Das Feind vnd Waffen nah

Vnd schon das Mord-beginnen

Deß Ertztverräthers sah;

Weckt Er die in dem Garten;

Auff! liebsten Jünger auff

Itzt ists nicht zeit zu warten

Dort kommt der Sünder Hauff'.

O wahre Freud! O Leben

In dem mir ewig wol!

Wenn ich die Welt begeben

Vnd vor Gott treten sol;

So hilff mirs frölich wagen

Auff den Angst-Schweiß allein

Dein jammervolles Zagen

Laß mein' erquickung seyn.